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Foto: Thomas Lorenzen, Wester-Ohrstedt
29.05.2015

Der Kreis Nordfriesland hat eine Hymne

Im Jahr 2014 schrieb der Kreis Nordfriesland einen Wettbewerb aus: Gesucht wurden Texte und ein neues Arrangement für das Lied »Gölj – rüüdj – ween«, das oft als Hymne der Nordfriesen bezeichnet wird. Ende Mai 2015 beschloss der Kreistag, das Lied in vier Sprachfassungen zur Hymne des Kreises zu erklären. 

Gölj, rüüdj und ween sind die friesischen Bezeichnungen für die Farben der Nordfriesland-Fahne: gold, rot und blau.

Die Hymne kann bei offiziellen Veranstaltungen und anderen entsprechenden Anlässen gesungen werden.

Die Hymne: Friesischer Text (Mooringer Mundart)

Göljn as e hamel di samereen,
göljn as dåt eekerfälj,
än göljn as dåt häär foon min Anemaleen,
wat san we duch rik heer foon gölj.

Rüüdj as e san än lååket sü swätj,
rüüdj san da kliiwere uk,
än rüüdj san da siike foon min latj brädj;
dåt as wälj for liiwde än luk.

Ween as dåt wååder bai dik än doom,
ween as e luft ouer üs,
än ween san da uugne foon min latj foom;
e trou as önj Fraschlönj tu hüs.

Joo, üüsen foone, di as sü smuk,
sü smuk as min Anamaleen;
än wansch ik en mansche trou, liiwde än luk,
sü flåg ik ma gölj, rüüdj än ween.

(Autor: Albrecht Johannsen)

Hochdeutscher Text

Golden im Sommer die Tage gehn,
golden im Herbst jedes Feld
und golden das Haar meiner Annemaleen,
voll Gold und voll Glück unsre Welt.

Rot ist die Sonne und lacht so schön,
rot blüht im Frühling der Klee
und rot sind die Wangen von Annemaleen,
vor Liebe, vor Freude, vor Weh.

Blau ist das Meer, so weit wir sehn,
und blaue Luft uns umgibt,
und blau sind die Augen von Annemaleen,
die unsere Heimat so liebt.

Siehst Du die Fahne Nordfrieslands wehn,
in gold, rot, blau hoch im Wind,
so wünsche ich Dir, dass wie Annemaleen
sie Glück, Liebe, Treue Dir bringt.

(Autor: Patrick Winter)

Plattdeutscher Text

Gold sehn wi avends an’t Himmelstelt,
Gold sehn wi ok op dat Feld.
Un Goldhoor hett mien leve Annemaleen.
Veel Gold is in Freesland to sehn.

Root is de Sünn un se lacht so sööt,
root is de Klee, wenn he blöht.
Un root sünd de Backen vun mien leve Bruut,
se süht jo vör Glück sach‘ so ut.

Blau is dat Water an Damm un Diek,
blau is de Luft, wo hen ik kiek,
Un blau sünd de Ogen vun mien smucke Deern.
Tosaamhol‘n, dat möögt wi hier geern.

Jo, unse Fahn, de is so schön,
so schön as mien Annemaleen.
Un wünsch ik een Tru, Leev un Glück, laat ik gau
de Fahn weih‘n in Gold, Root un Blau.

(Autorin: Marion Petersen)

Dänischer Text

Gylden er himlen en sommerkvæld,
gult lyser agrene vidt,
så gyldne som håret på Anemaleen,
ja, tro mig, på guld er her rigt.

Se, solen rødmer og ler så mildt,
som kløvermarker i flor
og rød er kinden på min lille brud,
af lykke og elskov, jeg tror.

Her glimter havet bag digets vold,
genspejler himmelens blå,
og blåt dette blik fra min Anemaleen,
den lykke vil aldrig forgå.

Se på vort flag, så smukt det dog er,
smukt som min Anemaleen,
for troskab, for lykke og kærlighed
jeg flager med Gölj, Rüüdj og Ween.

(Autorin: Dagny Boysen-Geppert)

(Die Fassung in Sønderjysk ist noch in Arbeit.)

Die Melodie und die friesische Sprachfassung:

Zur Vorgeschichte:

Das Gedicht »Gölj – rüüdj – ween« wurde in den 1920er-Jahren von dem friesischen Dichter Albrecht Johannsen (1888-1967) geschrieben. Die Vertonung stammt von dem in Tondern geborenen Fahretofter Lehrer und Organisten Peter Nissen (1895–1968).

Besungen werden die nordfriesischen Farben, die auch die Farben des Kreises Nordfriesland sind. Sie werden in Beziehung gesetzt zur nordfriesischen Landschaft, zu einer geliebten Frau und zu einer Tugend oder Eigenschaft (Liebe, Glück und Treue). »Annemaleen« steht idealtypisch für Nordfriesland.

Text und Melodie werden auf friesischen Veranstaltungen vor allem auf dem Festland viel gesungen – aber bisher ausschließlich auf Friesisch, denn andere singbare Sprachfassungen gab es nicht.

Dabei werden europaweit nur in Nordfriesland fünf Sprachen im Alltag gesprochen: Hoch- und Plattdeutsch, Friesisch, Reichsdänisch und Süderjütisch (Sønderjysk).

Die Ausschreibung eines Wettbewerbes mit dem Ziel, das friesische Lied »Gölj – rüüdj – ween« als Vorlage für eine Hymne des Kreises Nordfriesland in die vier weiteren Sprachen übersetzen zu lassen, geht auf die Anregung eines Kreistagsabgeordneten zurück.

Im Mai 2013 beschloss das Kuratorium der Stiftung Nordfriesland, einen solchen Wettbewerb durchzuführen. Er fand im Juli/August 2014 statt. Die Wettbewerbsbeiträge wurden von einer Jury unter dem Vorsitz von Gary Funck, dem Vorsitzenden des Kultur- und Bildungsausschusses des Kreises, ausgewertet und prämiert. Die prämierten Beiträge wurden von der Jury nochmals überprüft und nach Einarbeitung von Änderungsvorschlägen dem Kultur- und Bildungsausschuss im März 2015 zur Beratung und Beschlussfassung vorgelegt. Die in dieser Sitzung vorgeschlagenen Änderungswünsche wurden danach mit den Autoren abgestimmt. Die abschließende Entscheidung, die Texte und ihre Melodie zur Hymne zu erheben, traf der Kreistag als höchstes Gremium des Kreises am 29. Mai 2015.