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Foto: Pressestelle

Original Urkunde

Die Stiftung Vermächtnis Johan van Wouwer

Als am 30. März 1612 auf dem Schloss Gottorf ein gewisser Johan van Wouwer starb, ahnte sicherlich niemand, wie weit in die Zukunft sein Erbe wirken würde. Heute sind viele seiner Spuren verwischt, jedoch leben sein liberales Verständnis und seine soziale Verantwortung in einer Stiftung weiter, die er verfügte und die heute vom Kreis Nordfriesland treuhänderisch verwaltet wird.
Johan van Wouwer war zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein bedeutender und einflussreicher Mann. Er galt als sehr gebildet, und sein profundes Wissen wurde von seinen Zeitgenossen hoch geschätzt. Als Kammerrat auf Schloss Gottorf war van Wouwer nicht nur ein wichtiger Berater des Herzogs Johann Adolf, sondern auch für das Deichwesen der Ländereien des Herzogtums, zu dem damals auch Teile Nordfrieslands gehörten, zuständig. Für seine Dienste und besonderen Bemühungen bei der Eindeichung des Sieversfletherkoogs und des Freesenkoogs auf der Halbinsel Eiderstedt erhielt er vom Herzog in beiden Kögen Ländereien.

Landrat als Vermächtnisverwalter

Diese Verbindung zu Nordfriesland besteht bis in die heutige Zeit, denn die Ländereien bilden die Grundlage des van Wouwerschen Vermögens. Im Testament bedachte der mit bereits 38 Jahren Verstorbene seine Bediensteten und die Kinder seines Bruders. Zur Verwaltung setzte er den Kammersekretär und den Kammermeister des Schlosses ein.

Nach der Auflösung des Herzogtums Gottorf hat der dänische König die entsprechenden Oberstaller und Staller von Eiderstedt zu Exekutoren bestimmt - wahrscheinlich, weil die Ländereien des Vermächtnisses dort liegen. Die Nachfolger der Staller waren ab 1865 die Landräte der Kreise Husum und Eiderstedt. Seit der Kreisgebietsreform 1970 ist der jeweilige Landrat des Kreises Nordfriesland Vermächtnisverwalter.

Seit 1960 gemeinnützige Stiftung

Während über 300 Jahre lang ausschließlich die Nachkommen des Bruders finanziell unterstützt wurden, erweiterte sich nach der Umwandlung des Vermächtnisses in eine gemeinnützige Stiftung im Jahre 1960 der Zweck. Seitdem erhalten die Nachkommen eine Unterstützung, sofern sie bedürftig sind oder sich in einer besonderen Notsituation befinden. Seither wird regelmäßig eine jährliche Fördersumme für das SOS-Kinderdorf in Harksheide/Norderstedt bereitgestellt.

Projektförderung möglich

Wir müssen uns vorstellen, was Johan van Wouwer in heutiger Zeit in sein Testament geschrieben hätte: Ganz gewiss hätte er für seine Nachkommen sorgen wollen. Aber ebenso sicher hätte er ein großes Interesse an der Weiterentwicklung der Landschaft gehabt, in der er sich bei der Eindeichung so engagiert hat. Die Satzung der Stiftung sieht so vor, dass nicht verbrauchte Einnahmen auch für Projekte eingesetzt werden können, die Nordfriesland nachhaltig weiter entwickeln.

Für eine Region, die angesichts leerer öffentlicher Kassen auf finanzielle Unterstützung jeder Art angewiesen ist, leistet das Vermächtnis Johan van Wouwer damit einen wichtigen Beitrag. Die Liste geförderter Projekte ist lang und vielseitig: Aufbau einer Bibliothek im Plattdüütsch-Zentrum in Leck, das Friedensdenkmal an der St. Pankratius-Kirche in Oldenswort, Kataloge »Entwicklung des dörflichen Warenhandels im Haus Peters in Tetenbüll« und »Überseeauswanderung aus Schleswig-Holstein« sowie das Symposium »Dichter und ihre Fotografien«.
Der Geschäftsführer der Stiftung und damit Ihr Ansprechpartner in allen Angelegenheiten, die die Stiftung betreffen, ist

Herr Axel Scholz
Kreis Nordfriesland
Marktstraße 6
25813 Husum
Tel. 04841 67-517
E-Mail: axel.scholz@nordfriesland.de