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Foto: Johanna Jürgensen, Husum

Mahnmal der KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing

Die Häftlinge

Herkunft

Ein Großteil der Häftlinge kam aus den Niederlanden, unter ihnen auch viele aus dem Dorf Putten, dessen männliche Einwohner fast alle aus Rache für einen Anschlag des niederländischen Widerstandes auf einen Geländewagen der deutschen Wehrmacht in Konzentrationslager verschleppt worden waren. Weitere Gruppen kamen aus Frankreich, Dänemark, Polen, der Sowjetunion und Deutschland, einzelne Häftlinge kamen aus Belgien, Italien, der Tschechoslowakei, Jugoslawien, Spanien, Griechenland und England. Es waren aktive Widerstandskämpfer unter ihnen, Geistliche, Offiziere der Roten Armee, Männer, die wegen geringster Vergehen verschleppt worden oder Denunzianten zum Opfer gefallen waren.

Zwangsarbeit

Die Gefangenen mussten in der Marsch vier bis fünf Meter breite und zweieinhalb Meter tiefe Panzergräben ausheben, die in der Grundsohle einen halben Meter breit waren. Es war eine harte Arbeit, den schweren Kleiboden zu bewegen und dabei teilweise bis zur Hüfte im kalten Wasser zu stehen. Die Häftlinge arbeiteten zehn bis zwölf Stunden am Tag, hinzu kamen die langen Anmarschwege von mehr als zehn Kilometern, die in der ersten Zeit zu Fuß, später in Viehwaggons zurückgelegt wurden.

Willkür und Brutalität

Zu essen gab es kaum mehr als ein bisschen schlechtes Brot und eine dünne Rübensuppe. Die Bewacher behandelten die Gefangenen mit Willkür und Brutalität. Im Lager selbst gab es stundenlange Appelle, die in Ermangelung eines Appellplatzes auf der Lagerstraße stattfanden. Hier konnte sich keiner den Grausamkeiten des Lagerleiters Hans Griem entziehen.
Besonders gefürchtet waren die Strafen, bei denen Gefangene mit ausgestreckten Armen und Beinen auf dem Hydranten sitzen mussten. Die meisten fielen sofort herunter und wurden daraufhin von den Schergen verprügelt. Nach dieser Prozedur sind viele gestorben.


Sterben im Lager

Die Vorgänge im KZ Husum-Schwesing vollzogen sich praktisch öffentlich. Über längere Zeit wurden die Häftlinge täglich morgens und abends durch Husum getrieben. Die Reaktionen der Bevölkerung waren geteilt: Es gab Spott, Hohn und Verachtung, aber auch Mitleid. Manche versuchten zu helfen und steckten den Häftlingen Nahrung zu, einzelne protestierten gegen die Arbeitsbedingungen, die meisten sahen weg.

Todeszahlen

297 Menschen starben nach bisherigen Erkenntnissen im Lager Husum-Schwesing. Die genaue Anzahl ist schwer zu beziffern, weil viele Häftlinge bereits auf dem Rücktransport nach Neuengamme oder kurze Zeit später an den Folgen des Lageraufenthalts starben und hinzugezählt werden müssten.

Die Toten wurden in Papiersäcke gehüllt und in einem Massengrab auf dem Husumer Ostfriedhof verscharrt. Nach dem Krieg wurden viele der Toten exhumiert, identifiziert und in ihre Heimatländer überführt. Die bisher namentlich bekannten Toten des Lagers Husum-Schwesing finden Sie als Liste bei den Dokumenten.


Die Überlebenden

Die Überlebenden der nordfriesischen Konzentrationslager waren für immer gezeichnet. Die psychischen und physischen Spätfolgen prägten ihr Leben nach der Befreiung. Ansonsten herrschte fast vierzig Jahre lang Schweigen über das Lager. Die Baracken wurden bis Ende der fünfziger Jahre als Unterkunft für Flüchtlinge und Vertriebene genutzt und dann bis auf die Reste der ehemaligen Küchenbaracke abgerissen.