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Foto: Bernd Höfer, Breklum

Kreishaus in der Marktstraße in Husum

28.12.2020

Grußwort des Kreises Nordfriesland zum Jahreswechsel (mit Video)

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

werden Sie dem zu Ende gehenden Jahr 2020 eine Träne nachweinen? Auch wenn die meisten nun laut »Nein« rufen, bot selbst dieses Jahr immer mal wieder Grund zur Freude:

Im Oktober fand der erste Spatenstich für den Ausbau der B 5 statt. Für den ersten Bauabschnitt besteht inzwischen Baurecht.

Wir setzen den Bürgerentscheid vom Mai 2017 weiter um – im November haben die Bauarbeiten am Husumer Klinikum begonnen.

Im Juli haben wir das Rufbussystem überarbeitet und qualitativ wesentlich verbessert.

Im März ging unsere Jugendberufsagentur an den Start. Sie berät Jugendliche in der manchmal schwierigen Übergangsphase zwischen Schule und Beruf.

Wir konnten auf 15 Jahre kommunale Arbeitsverwaltung zurückblicken: Seit 2005 gibt es die sieben nordfriesischen Sozialzentren, in denen Kommunen und Kreis nach der Devise »Alle Leistungen aus einer Hand« etliche soziale Leistungen bündeln, um den Bürgerinnen und Bürger und Bürgern lange Wege zu ersparen.

Hier finden Sie das Video:

Externer Link: Videofilm Ein Klick auf das Bild öffnet einen Videofilm auf Youtube, in dem Kreispräsident Manfred Uekermann und Landrat Florian Lorenzen ihr Grußwort gemeinsam vortragen.

    
Weiter im Text:

Wäre es nicht schön, wenn unsere Zusammenfassung des Jahres an dieser Stelle enden könnte? Schön wäre es vielleicht, aber nicht ehrlich.

Denn natürlich dürfen auch die weniger erfreulichen Ereignisse der letzten Monate nicht verschwiegen werden:

Seit November müssen wir uns wieder mit der Eindämmung der Geflügelpest befassen. Sie raffte innerhalb weniger Tage Wildvögel in vierstelliger Anzahl dahin und erreichte dann schnell den ersten Hausgeflügelbestand. Wir hoffen, dass das landesweite Aufstallungsgebot und die penible Befolgung der vorgeschriebenen Biosicherheitsmaßnahmen der Krankheit ein baldiges Ende bereiten.

Wenig Grund zur Freude haben auch die Sylt-Pendler und die auf sie angewiesenen Wirtschaftsbetriebe der Insel: Die Serie von Pleiten, Pech und Pannen auf der Marschbahn reißt nicht ab. Immer wieder mahnen auch wir umgehende Verbesserungen an, aber das Heft des Handelns liegt bei anderen. Sie mühen sich zwar, doch der durchschlagende Erfolg steht noch aus.

Wir bleiben dran, denn es ist absolut unerträglich, dass ein so wichtiger Teilbereich der Daseinsvorsorge in einem hochtechnologisierten Land wie Deutschland über etliche Jahre hinweg nicht funktioniert.

Kein Rückblick auf 2020 kommt ohne das Thema aus, das uns seit März beschäftigt wie kein anderes: Die Corona-Pandemie hat uns vor Augen geführt, wie verwundbar, wie verletzlich wir alle sind und wie leicht unser aller Leben aus dem Tritt geraten kann.

Kaum jemand hat ernsthaft mit einer Krankheit gerechnet, die so plötzlich weltweit auftritt und das Potenzial besitzt, weltweit Intensivstationen von Kliniken so zu überlasten, dass Ärztinnen und Ärzte täglich entscheiden müssen, wer an ein Beatmungsgerät angeschlossen wird und für wen die Kapazitäten nicht ausreichen.

Bisher ist es Deutschland im Unterschied zu anderen Ländern gelungen, es nicht so weit kommen zu lassen. Sie / Ihre Freunde / wir leisten gemeinsam unseren Beitrag, damit es auch in Zukunft nicht dazu kommt.

Wir sind dem Virus nicht hilflos ausgeliefert, sondern können das Ansteckungsrisiko selbst minimieren, indem wir die AHA+AL-Regeln einhalten. Dass die weitaus meisten von uns sie beherzigen, hat in Nordfriesland zu einer Ansteckungsrate geführt, die zurzeit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegt.

Für Ihren persönlichen Beitrag zu diesem Erfolg danken wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ganz herzlich.

Ein großer Dank gebührt auch den vielen, die in der Krise teils Übermenschliches geleistet haben – in der Pflege, in den Kliniken und Arztpraxen, in den Seniorenheimen, in den Gesundheitsämtern, im Einzelhandel, in den Schulen, Kitas und vielen anderen Bereichen: Sie alle haben bewiesen, dass unsere Gesellschaft auch unter Druck zusammenhält.

Dazu gehört ebenso, dass die Bundeswehr, das Robert-Koch-Institut und der Medizinische Dienst der Krankenkassen die überstrapazierten Gesundheitsämter vielerorts mit eigenem Personal unterstützen.

Glücklicherweise zeichnet sich ein Silberstreif am Horizont ab: Die bald auf den Markt kommenden Impfstoffe machen uns allen Hoffnung.

Doch wollen wir einfach nur zu unserem alten Leben zurück? Sollte unser Ziel nicht eher ein bewussteres Leben und ein bewussterer Umgang miteinander sein?

Die Krise hat uns gelehrt, dass wir Kontakte zu anderen Menschen nicht als selbstverständlich ansehen dürfen. Sie hat uns die Bedeutung unserer Kitas und Schulen verdeutlicht, die weit über die Aufgaben der Wissensvermittlung hinausgehen.

Sie hat dazu geführt, dass viele den Pflegekräften mit mehr Respekt und Wertschätzung entgegentreten. Sie hat uns gezeigt, wie wichtig die Gastronomie und der Einzelhandel vor Ort für uns alle sind.

Die Krise hat uns zudem klargemacht, dass es nicht erstrebenswert ist, immer neue Superlative erreichen zu wollen: Das Motto »höher, schneller, weiter« mag im Sport noch seine Berechtigung haben, aber seine Verwendung in anderen Zusammenhängen gehört ins vergangene Jahrhundert.

Und sie hat uns einmal mehr die Augen dafür geöffnet, wie schön wir es hier bei uns im Land zwischen den Meeren haben – und wie dankbar wir allein dafür sein können, wenn wir das Glück haben, gesund zu sein.

Das sind Lektionen, die wir im Gedächtnis bewahren sollten, wenn die Corona-Krise im nächsten Jahr hoffentlich überwunden ist. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen allen ein einen guten Rutsch in ein neues Jahr, das mit größter Sicherheit besser sein wird als das vergangene.

Manfred Uekermann, Kreispräsident
Florian Lorenzen, Landrat