Hilfsnavigation

Webseite durchsuchen

Foto: Bernd Höfer, Breklum

Kreishaus in der Marktstraße in Husum

18.12.2018

Ab 2019: Kreis Nordfriesland bezieht Ökostrom von Föhr für 43 Liegenschaften

Ab dem 1. Januar 2019 bezieht die nordfriesische Kreisverwaltung den Strom für ihre Liegenschaften vollständig von der »Strom von Föhr Vertriebs-GmbH«. »Wir setzen schon seit 2013 ausschließlich auf Ökostrom. Doch jetzt bekommen wir erstmals Strom, der ausschließlich hier in Nordfriesland gewonnen wird«, freut sich Landrat Dieter Harrsen.

Rund 1,3 Millionen Kilowattstunden benötigen die 43 Liegenschaften des Kreises pro Jahr. Dazu gehören neben dem Husumer Kreishaus zum Beispiel das Schloss vor Husum, das Gesundheitsamt am Bahnhof, das Veterinäramt am Schlachthof, die Beruflichen Schulen in Husum und Niebüll sowie neun über das Kreisgebiet verteilte Rettungswachen.

Auftrag des Kreistages: Ökostrom

Im Mai 2011 beauftragte der Kreistag die Verwaltung, sich um die Umstellung auf Ökostrom zu bemühen. Da die Stromrechnung des Kreises über der aktuellen Schwelle von 221.000 Euro liegt, musste der Auftrag EU-weit ausgeschrieben werden.

Was zählt als Ökostrom?

»Das erfordert erhebliches Spezialwissen. Deshalb bedienen wir uns der ›Kubus Kommunalberatung und Service GmbH‹. Das ist ein Unternehmen kommunaler Spitzenverbände, das Behörden unterstützt«, erläutert Bernd Petersen. Er leitet den Fachdienst Gebäudemanagement und Liegenschaften der Kreisverwaltung.

Gemeinsam mit Kubus definierte Petersen auf Grundlage von EU-Bestimmungen, was unter Ökostrom zu verstehen ist: Strom aus erneuerbaren Energien ist demnach Strom aus Wind- und Wasserkraft, Sonnenenergie, Geothermie sowie Energie aus Biogas, Deponiegas und Klärgas. Erzeugen Anlagen ihren Strom teils auch auf herkömmliche Weise, zählt nur der Anteil aus erneuerbaren Energien als Ökostrom. Bei Wasser-Speicher-Kraftwerken wird der Strom abgezogen, mit dem das Wasser bergauf gepumpt wird, bevor es durch Turbinen fließen und dabei sauberen Strom erzeugen kann.

Modernisierungs-Anreiz

Kubus beobachtet den Markt genau und veröffentlichte die Ausschreibung des Kreises erst, als die Preise an der Leipziger Strombörse besonders günstig waren. »Sie lagen sogar so günstig, dass wir uns wieder entschieden haben, gleich für zwei Jahre auszuschreiben: Was man hat, das hat man«, sagt Bernd Petersen.

Alle Bieter mussten nachweisen, dass ihr Strom zu 100 Prozent aus den genannten Quellen stammt – und dass mindestens 30 Prozent davon mit Anlagen erzeugt werden, die im Kalenderjahr des Lieferbeginns nicht länger als sechs Jahre in Betrieb sind. Mit dieser Bedingung setzte der Kreis ein Zeichen dafür, dass es sich für Stromproduzenten lohnt, fortwährend in neue Anlagen zu investieren. Da jede neue Anlagengeneration effizienter als die vorherige arbeitet, steigt auch die CO2-Einsparquote und somit der positive Effekt fürs Klima.

»Mehrere Angebote wurden eingereicht, und zwar durchaus nicht nur von großen Konzernen. Den Zuschlag erhielt der günstigste Anbieter. Das war die ›Strom von Föhr Vertriebs-GmbH‹«, berichtet Bernd Petersen.

Auf dem Weg zum klimafreundlichsten Kreis

Der Kreis hat sich das Ziel gesetzt, bis 2020 der klimafreundlichste Kreis Deutschlands zu werden. »Deshalb unternehmen wir natürlich auch fortwährend Anstrengungen, Strom einzusparen oder ihn selbst möglichst umweltfreundlich zu erzeugen«, sagt Landrat Dieter Harrsen.

So wurde 2013 im Husumer Kreishaus ein Blockheizkraftwerk (BHKW) eingebaut, das seitdem mehr als die Hälfte des Strombedarfs der Verwaltung deckt. Gemeinsam mit einem zweiten BHKW in den Beruflichen Schulen des Kreises in der Husumer Hermann-Tast-Straße hat es bisher rund 2,3 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt.

Für Jan Brodersen, den Geschäftsführer der »Strom von Föhr Vertriebs-GmbH«, ist der Kreis NF einer der größten Kunden. »Wir produzieren unseren Strom mit drei Windkraftanlagen auf Föhr. Weht mal kein Wind, kaufen wir Strom aus Wasserkraft zu, der in Norwegen erzeugt wird. Unser Erfolg beweist, dass Leistung und Preise des Föhrer Ökostroms am Markt durchaus konkurrenzfähig sind«, erläutert Brodersen und betont: »Wir stehen hinter dem Ziel des Kreises, Vorbild in Sachen Klimafreundlichkeit zu sein, und freuen uns, einen aktiven Beitrag dazu leisten zu können.«