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Foto: Bernd Höfer, Breklum

Kreishaus in der Marktstraße in Husum

28.01.2015

B 5: Den Worten müssen endlich Taten folgen

Husum. Der Koalitionsvertrag sollte eigentlich die Richtschnur für die Landesregierung sein. Zur Bundesstraße 5 heißt es dort:

»Zur besseren Anbindung der Westküste wird die B5 nördlich von Heide und zwischen Itzehoe (A23) und Brunsbüttel dreistreifig ausgebaut. Beim Neubau der B5 zwischen Hattstedt und Bredstedt wird das eingeleitete Planfeststellungsverfahren genutzt, um eine Anbindung der K2 an die neue B5 zu ermöglichen und um die Bedenken der Initiative Jelstrom weitestmöglich mit einzubeziehen.«

Super-GAU

»Jetzt ist es an der Zeit, den Worten Taten folgen zu lassen«, findet der nordfriesische Landrat Dieter Harrsen. Doch mittlerweile verdichten sich Hinweise darauf, dass die Landesregierung die B 5 nicht mehr ausbauen und die Mittel in anderen Landesteilen einsetzen will.

»Für uns wäre das der Super-GAU. Schlimmer könnte es nicht mehr kommen«, erklärte Harrsen am Mittwoch (28. Januar) in einer Pressekonferenz im Husumer Kreishaus.

»Die Auswirkungen auf die nordfriesische Wirtschaft wären kaum ausdenkbar. Auch als Touristiker bin ich entsetzt über diesen möglichen Wortbruch der Landesregierung. Der Ausbau der B 5 steht im Koalitionsvertrag, und erst vor wenigen Monaten hat sie uns die Weiterführung des Planverfahrens mündlich zugesagt!«

Jahrzehntelanger Kampf

Seit Jahrzehnten kämpft Nordfriesland – unterstützt von den nördlichen und den südlichen Nachbarn – für den verkehrsgerechten Ausbau der B 5. Sie durchmisst den Kreis von Nord nach Süd und gilt als wirtschaftliche Hauptschlagader – mit Neigung zur Verstopfung.

Dringend erforderlich sind der dreistreifige Ausbau zwischen Husum und Tönning und der Bau einer 18 Kilometer langen Umgehungsstraße, die südlich von Hattstedt beginnt und nördlich von Bredstedt endet.

Dieter Harrsen erwartet jetzt einen engen Schulterschluss aller Nordfriesen: »Wir müssen gegenüber Ministerpräsident Torsten Albig und Verkehrsminister Reinhard Meyer massiven Protest einlegen. Einen Wortbruch werden wir nicht akzeptieren!«

Aufgrund der Bedeutung der B 5 auch für die Region Süddänemark und die südlichen Nachbarkreise Dithmarschen, Steinburg und Pinneberg ist Harrsen sicher, dass auch sie sich dem Protest anschließen werden.

Mitte Februar findet in Nordfriesland ein »B 5-Gipfel« statt, zu dem Staatssekretär Enak Ferlemann aus dem Bundesverkehrsministerium und der schleswig-holsteinische Verkehrsminister Reinhard Meyer erwartet werden.

»Die Region hat einen Anspruch darauf, dass dann auch konkrete Aussagen zu einem Baubeginn getroffen werden«, erklärte der Landrat.

Ortsumgehung wäre schnell gebaut

Der Bund stellt für Neubaumaßnahmen an Bundesstraßen und Autobahnen in Schleswig-Holstein jährlich 20 Millionen Euro und für Ausbaumaßnahmen weitere zwölf Millionen Euro zur Verfügung. Die Landesregierung setzt die Prioritäten für den Einsatz der Mittel.

Zwischen Husum und Tönning den dritten Fahrstreifen anzulegen, würde 110 Millionen Euro kosten und rund zehn Jahre dauern. Während dieser Zeit müssten an den jeweils betroffenen Streckenabschnitten Ampelregelungen und vor allem in der Sommersaison Verkehrsstaus in Kauf genommen werden, doch danach würde der Verkehr deutlich zügiger fließen, weil Erntefahrzeuge und LKW wesentlich leichter überholt werden könnten.

Der Bau der parallel zur jetzigen B 5 verlaufenden Ortsumgehung von Hattstedt bis Bredstedt hingegen würde 54 Millionen Euro kosten, wäre in drei bis vier Jahren zu schaffen und würde den fließenden Verkehr kaum beeinträchtigen. Die Umgehungsstraße würde die vier betroffenen Orte entlasten und den Verkehrsfluss messbar verbessern.