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Foto: Bernd Höfer, Breklum

Kreishaus in der Marktstraße in Husum

05.04.2017

Geschäftsführerwechsel bei der AWNF

Ende März tritt Hans-Joachim Alfeld, der langjährige Geschäftsführer der Abfallwirtschafts-Gesellschaft Nordfriesland (AWNF) in den Ruhestand. Schnelle, flexible und betriebswirtschaftlich orientierte Entscheidungen – das erhofften die Abgeordneten des nordfriesischen Kreistages sich 1994, als sie die Gründung der AWNF beschlossen. »All diese Wünsche sind wahr geworden, und das ist zum großen Teil Herrn Alfeld zu verdanken«, lobt Landrat Dieter Harrsen. Alfeld selbst winkt ab: Alle Erfolge seien als Gemeinschaftsleistung anzusehen, an der sowohl die politischen Gremien und die Verwaltung des Kreises als auch externe Berater beigetragen haben.

Als Alfeld am 1. Oktober 1995 die Geschäftsführung übernahm, hatte der Bund bereits das Ende der Hausmülldeponierung und damit das Ende vieler Mülldeponien zu Mitte 2005 angekündigt. Recycling wurde zum Schlüsselbegriff der Abfallwirtschaft. »Eine alte Mülldeponie kann man nicht einfach so liegen lassen«, erklärt Alfeld: »Man muss sie abdichten, das Grundwasser, Sickerwasser und Deponiegas ständig überwachen und das Gas verwerten.«

35 Millionen Euro für zwei Deponien

Auf 35 Millionen Euro summieren sich diese Schließungs- und Nachsorgekosten für die Zentraldeponie in Ahrenshöft und eine kleinere in Munkmarsch auf Sylt. Die Nordfriesen verdanken es maßgeblich Alfeld, dass sie diese Summe nicht allein aufbringen mussten: »In den Jahren vor 2005 wussten einige Kreise nicht, wohin mit ihrem Müll. Wir haben ihnen angeboten, ihn in Ahrenshöft abzulagern – aber natürlich nicht umsonst«, erinnert er sich. Das Geld wanderte in eine Rücklage, aus der noch heute alle mit den Altdeponien zusammenhängenden Kosten bezahlt werden.«

Kontroll- und Eingriffsrechte gesichert

Als geschickte Verhandler erwiesen Alfeld und sein Team sich auch bei der Entsorgung verschiedener Abfallarten. »Wir schließen Verträge von sechs Jahren Laufzeit, behalten uns aber umfangreiche Kontroll- und Eingriffsrechte vor. Läuft alles rund, können wir die Verträge zweimal um jeweils drei Jahre verlängern. Entsprechend hoch ist die Motivation der Unternehmen. Auf dieser Grundlage arbeiten wir praktisch reibungslos zusammen«, freut sich der Noch-Geschäftsführer.

angemessene Entlohnung der Müllwerker

Als seinen größten Erfolg sieht er die Sicherstellung einer angemessenen Entlohnung der Müllwerker an. Lange Zeit waren tarifgebundene Unternehmen gegen Dumpinganbieter praktisch chancenlos, denn Tariftreue ist in den Ausschreibungsrichtlinien nicht als K.O.-Kriterium vorgesehen. »Wir haben einen Weg gefunden, sie trotzdem durchzusetzen und auf diese Weise den Mitarbeitern ein angemessenes Auskommen gesichert. Darauf können Kreis und AWNF durchaus ein wenig stolz sein«, findet Alfeld.

Nachfolger eine Idealbesetzung

Sein Nachfolger wird bereits seit Anfang Januar von ihm eingearbeitet. Michael Stürmann leitete bisher die Niederlassung Schleswig-Holstein des Entsorgungsunternehmens Veolia, das auch nordfriesischen Müll abfährt. »Bei den Vertragsverhandlungen mit der AWNF saß er bisher auf der anderen Seite. Er kennt also Nordfriesland, unsere bisherigen Entsorgungsverträge und die gesamte Branche – eine Idealbesetzung«, erklärt Landrat Dieter Harrsen.

Wir krempeln schon mal die Ärmel hoch!

Da die Entsorgungswirtschaft sich in einem ständigen Veränderungsprozess befindet, wird es Stürmann an Arbeit nicht mangeln. Beim Gewerbeabfall, beim Elektroschrott oder der gelben Wertstofftonne – überall drängen Bund und EU auf lückenlose Erfassung und höhere Recyclingquoten.

Auch in anderen Bereichen gibt es immer etwas zu verbessern: Rund ein Viertel der Abfälle in der grauen Tonne in Nordfriesland gehören eigentlich in die Biotonne oder auf den Kompost, weiß Stürmann: »Da müssen wir ran!«

Außerdem läuft der Vertrag mit der MBA Neumünster über die Entsorgung des nordfriesischen Hausmülls spätestens 2025 aus. Der neue Geschäftsführer und sein vierköpfiges Team müssen eine Anschlusslösung finden, die mindestens eben so verlässlich und möglichst nicht teurer ist als die jetzige. Stürmanns typisch nordfriesischer Kommentar: »Wir krempeln schon mal die Ärmel hoch!«