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Foto: Bernd Höfer, Breklum

Kreishaus in der Marktstraße in Husum

09.05.2014

Kreisarchiv bekommt herzoglichen Bettelbrief geschenkt

Eine Privatperson, die anonym bleiben möchte, hat dem Kreisarchiv Nordfriesland einen Brief geschenkt, den Herzogin Maria Elisabeth 1668, also vor 346 Jahren, geschrieben hat. Die Absenderin wohnte seit 1660 im Schloss vor Husum. Sie war die Tochter von Johann Georg von Sachsen und die Witwe Friedrichs III. von Schleswig-Holstein-Gottorf.

Zum Schloss gehörten große Ländereien mit Wegen, Brücken, Fischteichen und Mühlen. Sie verursachten erhebliche Unterhaltungskosten, erbrachten aber auch Pachtüberschüsse. Doch die Herzogin förderte Kunst und Kultur, sammelte Bilder, verfügte über einen aufwändigen Hofstaat von rund 35 Bediensteten und neigte offenbar auch zum verlustreichen Spiel. Deshalb war ihr Haushalt selten ausgeglichen.

In dem Brief bat sie ihren Bruder, den Kurfürsten Johann Georg II. von Sachsen, ihr aus der finanziellen Not zu helfen. Der Brief wurde von einem Angehörigen des Hofstaates nach Dresden gebracht. Die Antwort des Bruders ist nicht überliefert. Allerdings hatte der kurfürstliche Hof selbst mit hohen Schulden zu kämpfen.

Das Kreisarchiv hat den Bittbrief eingescannt und unter www.nordfriesland.de ins Internet gestellt. Der vollständige Text lautet:

Durchleuchtiger Churfürst ...

Durchleuchtiger Churfürst
freundlich vielgeliebter Herr
Bruder und Gevatter
Dem nach Mich anitzo die ohntembgangliche Noth treibet
Bei Eer: Hz: [Euer Herzogliche Gnaden] Meiner Forderung halber anzuhalten,
so habe [ich] daß freund Schwesterliche Vertrauen Sie
werden Mich ferner nicht Stecken Lassen, sondern
Nunmehr außhelffen, damit Ich aus monien Drang
sahlen hier durch Mich nach etlicher maßen Vettern und
die so hart in mir dringende Creditores Befriedigen
Könne, D: H: [Durchlauchter Herr] Bitte nicht übel Zu deuten daß
Ich so offt darumb schreibe, Gott weiß daß Ichs
nicht Umbgehen kann, Ich bin gesonnen deshalb an
E: Hz: einen eigenen (1) Nahmens Hinrich Sievers Zu
schicken, Der dan die Gelder empfangen und mir
herunter machen kann (2), Bitte Eer: Hz: Laßen demselben
wan Er sich angeben wird, doch helffen, Ich werde
umb Eer: Hz: solche freund Bruderliche Bezeigung
Zeit Lebens erkennen undderoselben mit
aller treuer Schwesterlichen Diensterwei-
sungen Verpflichtet bleiben, Alß der
Ich mit Ergebung Gottes bin

Husum den 20t ErDI
Marty A 1668 jüngsten Geschwister
und Dinerin
Maria Elisabeth

PS. [Handschriftlich von Maria Elisabeth]
ErDI verzeihen mir das ich
nicht mit eigener Feder geschrieben
jeder ... So ... nicht das mir
nicht möglich ist ... schreiben diesen
ErDI ... es ja nicht will erst das
ich so unleidlich bin gar wens das nicht
... dar zu

Adresse:

Edlem Durchleuchtigten Fürsten
Herrn Johann Georg dem Anderen (3),
Herzogen Zu Sachsen, Jülich Cleve und
Berg, Deß Herzl. Römischen ReichErtz
Marschall und Churfürsten Landt-
Graffen in Türingen, Marggraffen
zu Mähren auch Ober- und Niederlausitz
Burggrafen zu Magdeburg, Graffen
zu der Mark und Ravensburg, Herrn
zum Ravenstein usw. unsere Frl:
vielgeliebter Herrn Bruderen
und Gevatteren usw. Dressden

Erläuterungen:
(1) Mitglied des Hofstaates der Herzogin
(2) sächsische Redewendung = überbringen kann
(3) dem Anderen = dem II.