Nach zehn Jahren Konversion: Erste Unternehmen siedeln sich im Gewerbe- und Energiepark Seeth an
Drei Grundstücke verkauft – Erschließung kurz vor dem Abschluss – weitere Ansiedlungsgespräche laufen.
Seeth, 22. September 2026 – Rund elf Jahre nach der Schließung der Stapelholmer Kaserne siedeln sich die ersten Unternehmen auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände in Seeth an. Im laufenden Jahr hat die Gemeinde Seeth drei Grundstücke mit zusammen rund 30.000 Quadratmetern verkauft. Das entspricht knapp einem Drittel der etwa 100.000 Quadratmeter Gewerbefläche im Gewerbe- und Energiepark Seeth.
Über weitere Flächen wird derzeit verhandelt, zudem gehen fortlaufend neue Anfragen bei der Wirtschaftsförderung Nordfriesland ein.
Bei einem Pressetermin an der alten Wache der Kaserne haben sich am Dienstag Landrat Florian Lorenzen, Bürgermeister Ernst-Wilhelm Schulz, Fachbereichsleiter Benjamin Nissen, Investor Marvin Hensen sowie Dr. Matthias Hüppauff und Moritz Schulz von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland (WFG NF) über den Stand des Projekts informiert.
»Als Kreis freuen wir uns sehr, dass eine unserer südlichsten Kommunen durch den Gewerbe- und Energiepark Seeth nun die Chance hat, sich weiterzuentwickeln«, sagte Landrat Florian Lorenzen. »Wir haben das Projekt als Kreis Nordfriesland über Jahre begleitet und über unsere Wirtschaftsförderung kontinuierlich unterstützt. Es zeigt sich immer wieder: Für ein solches Vorhaben braucht es Ausdauer und eine gute Zusammenarbeit in der kommunalen Familie.«
Langer Weg von der Kaserne zum Gewerbestandort
Die Stapelholmer Kaserne wurde ab 1962 errichtet und ab 1965 von der Bundeswehr genutzt, unter anderem von Nachschub- und Transporteinheiten, Marineeinheiten und zuletzt von einem Lazarettregiment. Am 30. Juni 2015 wurde der Standort mit einem Zapfenstreich aufgegeben. Seitdem begleitet die WFG NF das Konversionsverfahren und unterstützt die Gemeinde maßgeblich bei der Nachnutzung und Vermarktung der Flächen.
Der Weg zum heutigen Gewerbe- und Energiepark war von zahlreichen Hürden geprägt. Die Liegenschaft gehörte der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA); Teile davon hat die Gemeinde Seeth erworben. Um die Zuständigkeiten zu vereinfachen, musste unter anderem die Kreisgrenze verschoben werden. Zuletzt war die Fläche zudem vom Moratorium der Bundeswehr in den Jahren 2025 und 2026 betroffen.
»Schon zweimal hatten wir eine passende Nachnutzung in Aussicht, und dann kam es doch anders«, sagte Dr. Matthias Hüppauff, Geschäftsführer der WFG NF. »Umso mehr freue ich mich, dass sich unsere Bemühungen nun auszahlen und wir die ersten Betriebe in Seeth begrüßen können.«
Auch Bürgermeister Ernst-Wilhelm Schulz zieht eine positive Zwischenbilanz: »Die Gemeinde ist ins Risiko gegangen, und es war lange unklar, ob am Ende alles gelingt. Nach den ersten Verkäufen bin ich zuversichtlich. Besonders freue ich mich, dass bald die Widmung der Straße Krelau ansteht und die Flächen dann öffentlich für jeden möglichen Investor zugänglich sind – das ist ein wichtiger Schritt für den Gewerbepark.«
Erschließung mit Unterstützung des Landes
Die Erschließung des Gewerbegebiets liegt in der Hand der Gemeinde und befindet sich in der Schlussphase. Die neue Erschließungsstraße wird in Kürze gewidmet. Das Land Schleswig - Holstein fördert die Erschließungsmaßnahmen. »Wir freuen uns sehr und sind dankbar, dass das Land Schleswig-Holstein die Konversionsbemühungen seit Jahren unterstützt und die Erschließung mit drei Millionen Euro fördert«, sagte Benjamin Nissen vom zuständigen Amt Nordsee-Treene. »Ohne dieses Bekenntnis zum Standort Seeth wäre die Umsetzung für die Gemeinde kaum zu realisieren gewesen.«
Investor bringt Bestandsgebäude wieder in Nutzung
Zu den ersten Ansiedlungen gehört das junge Unternehmen ClutterCover, das seinen Sitz nach Seeth verlegt. ClutterCover ist ein Direct to Customer-E-Commerce-Modell, das standardisierte IKEA - Möbel durch passgenaue, designorientierte Zubehör- und Upgrade-Produkte individualisiert und diese direkt an Endkunden verkauft.
Geschäftsführer Marvin Hensen hat eine rund 4.000 Quadratmeter große Fläche mit einem sanierungsbedürftigen Bestandsgebäude erworben und baut dieses nun für seine Zwecke um. Er investiert dafür eine mittlere sechsstellige Summe. Perspektivisch sollen am Standort zusätzliche Arbeitsplätze entstehen und das Geschäft weiter ausgebaut werden.
»Für Seeth spricht aus unserer Sicht vor allem die gute Anbindung an das Bundesfernstraßennetz«, sagte Marvin Hensen. »Außerdem gefällt mir der Gedanke, einem alten Gebäude wieder Leben einzuhauchen und es nach unserem Bedarf umzubauen.«
Darüber hinaus wurden zwei weitere Unternehmen für den Standort gewonnen: die Naturstoff-Technik GmbH, ein Produktionsbetrieb mit Kunden aus der Biotechnologie sowie der Aroma-, Gewürz- und Lebensmittelindustrie, und North Energy, vertreten durch die Solis eGbr, ein regionales Unternehmen der Energietechnik.
Erneuerbare Energien als Standortmerkmal
»Für Strom und Wärme auf dem Gelände sollen erneuerbare Energien eingesetzt werden. Zurzeit suchen wir aktiv nach Unternehmen, bei deren Betrieb Abwärme entsteht, die weitere Firmen auf dem Gelände oder auch die benachbarte Landesunterkunft für Geflüchtete nutzen könnten«, erklärte Landrat Florian Lorenzen.
»Und für die anteilige Stromversorgung des Gewerbe- und Energieparks sehen wir eine Photovoltaik-Freiflächenanlage vor«, ergänzte Moritz Schulz, Ansiedlungsberater der WFG NF. »Die Landesunterkunft wird nach aktuellem Stand bis Ende 2032 vor Ort ansässig sein«, berichtet Bürgermeister Ernst-Wilhelm Schulz.
Ausblick
Neben den drei abgeschlossenen Verkäufen laufen weitere Vertragsverhandlungen und Ansiedlungsgespräche. Aktuell stehen noch verschiedene Gewerbeflächen mit und ohne Bestandsgebäude in Größenzuschnitten zwischen 3.000 und rd. 15.000 m² zur Verfügung. Die vorhandenen Gebäude sind überwiegend in einem guten Zustand. Interessierte Unternehmen können sich an die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland (www.wfg-nf.de) wenden.
Herausgeber:
Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland
Schloßstr. 7
25813Husum,
www.wfg-nf.de
Verantwortlich im Sinne des Presserechts (i.S.d.P.): Dr. Matthias Hüppauff
Kontakt: Tilmann Meyer, t.meyer@wfg-nf.de, +49 4841 6685 22
