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Foto: Bernd Höfer, Breklum

Kreishaus in der Marktstraße in Husum

22.12.2014

Neue Sozialraumverträge für Jugend- und Eingliederungshilfe unterzeichnet

Bereits zum dritten Mal hat der Kreis Nordfriesland seine Sozialraumverträge für die Jugend- und Familienhilfe öffentlich ausgeschrieben. Am 17. Dezember 2014 unterzeichneten Landrat Dieter Harrsen und fünf freie Träger der Jugendhilfe Vereinbarungen für den Zeitraum 2015 bis 2019.

Jugendhilfe

Das Kreisgebiet ist in fünf geografische Räume aufgeteilt, in denen jeweils eine Institution als sogenannter Sozialraumträger gemeinsam mit Kooperationspartnern für die Umsetzung aller Hilfeleistungen verantwortlich ist.

»Selbstverständlich nehmen wir unsere Verantwortung als Jugendamt auch weiterhin wahr: Alle Sozialraumträger erfüllen ihre Aufgaben in sehr enger Abstimmung mit uns«, betont der Leiter des Fachbereiches Jugend, Familie und Bildung des Kreises, Daniel Thomsen. Gegenwärtig werden in Nordfriesland 467 Fälle, also Kinder, Jugendliche und Familien, auf diese Weise betreut.

Mit jedem Sozialraumträger hat der Kreis Nordfriesland ein Jahresbudget vereinbart, das eingehalten werden muss. Wer sein Budget nicht vollständig ausgibt, behält einen Teil des Ersparten und kann es beispielsweise für Präventionsmaßnahmen verwenden.

Sie sollen dazu beitragen, Erziehungshilfen von vornherein zu vermeiden. »Im Unterschied zu früher lohnt sich gute, schnelle Arbeit dank dieser Vorgehensweise auch wirtschaftlich für die Träger«, erläutert Landrat Dieter Harrsen.

Im Wettbewerb der besten Konzepte haben sich folgende Träger durchgesetzt: Die Sozialräume Nord mit 133 Fällen und Süd mit 85 Fällen vergab der Jugendhilfeausschuss des Kreises an die KOMPASS gGmbH. Die Sozialräume Husum (104 Fälle) und Mitte (95 Fälle) wurden dem Diakonischen Werk Husum gGmbH anvertraut, und der Sozialraum Inseln mit derzeit 50 Fällen ging an das Diakonische Werk Südtondern gGmbH.

Das Wort »Sozialraum« bezeichnet gleichzeitig auch das soziale Umfeld eines Kindes oder einer Familie. »Wir betrachten die Menschen nicht losgelöst, sondern beziehen die Wünsche, Ziele und Stärken der ganzen Familie mit ein, um Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. In manchen Fällen können auch Freunde oder Nachbarn spürbar dazu beitragen, familiäre Spannungen abzubauen«, erläutert Daniel Thomsen. »Im Vordergrund stehen aber immer der Wille und die Ziele der Klienten. Diese Herangehensweise hat sich sehr bewährt.«

Eingliederungshilfe

Aufgrund der positiven Erfahrungen des Jugendamtes hat der Jugendhilfeausschuss des Kreises sich 2008 entschieden, auch die Eingliederungshilfe für unter 18-jährige (EGH) auf ein sozialräumliches System umzustellen. Ziel der EGH ist es, jungen Menschen mit Beeinträchtigungen eine normale Teilhabe am Leben zu ermöglichen.

Zur Zeit werden im Husumer Kreishaus 746 Fälle bearbeitet. Dabei handelt es sich zu 85 Prozent um Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, die sich mit entsprechender Förderung häufig weitgehend beheben oder mildern lassen. Die anderen 15 Prozent sind Kinder mit körperlichen oder geistigen Behinderungen.

Auch diese Verträge wurden 2014 neu ausgeschrieben: Um den Sozialraum Süd (154 Fälle) kümmert sich ab Januar die IUVO gGmbH. Die Sozialräume Husum (135 Fälle) und Mitte (142 Fälle) wurden an die Lebenshilfe Husum gGmbH vergeben, der Sozialraum Nord (245 Fälle) ging an die Lebenshilfe Niebüll gGmbH und der Sozialraum Inseln (70 Fälle) an die Lebenshilfe Sylt e.V.

Wechsel der Sozialraumträger

Einige Verträge wurden mit den bisherigen Partnern geschlossen, bei anderen haben sich neue Anbieter mit überzeugenden Konzepten durchgesetzt. Die Sozialraumträger müssen darauf achten, regelmäßig einzelne Maßnahmen an die kleineren freien Träger der Region zu vergeben: »Das ist wichtig, weil das Sozialraumkonzept nicht dazu führen darf, dass es irgendwann nur noch wenige sehr große Träger gibt. Die Vielfalt unserer Trägerlandschaft ist ein großer Pluspunkt für Nordfriesland«, hebt Daniel Thomsen hervor.

Gesamtkosten: 85 Millionen Euro

Die jährlichen Ausgaben des Kreises liegen für die Jugendhilfe bei rund zehn Millionen und in der EGH bei rund sieben Millionen Euro jährlich. Die zehn Verträge haben somit ein Gesamtvolumen von 85 Millionen Euro.

Die geografischen Sozialräume sind in beiden Fällen deckungsgleich. »Da einige Familien gleichzeitig Klienten der Jugendhilfe und der EGH sind, setzen wir auf eine immer engere Verzahnung – bis hin zur gemeinsamen Budgetsteuerung«, berichtet Verwaltungschef Harrsen.

»Im Mittelpunkt muss das Kind stehen. Die Frage, ob die notwendigen Maßnahmen aus dem Topf der Jugendhilfe oder dem der Eingliederungshilfe bezahlt werden, ist nachrangig«, betont Harrsen.

Präventionsmaßnahmen

Alle Sozialraumträger sind verpflichtet, Projekte und Maßnahmen ins Leben zu rufen, die dem Entstehen neuer »Fälle« vorbeugen. Im Bereich der Jugendhilfe gehören etwa die Gründung und Betreuung von Jugendgruppen oder ein regelmäßiger Treffpunkt mit Erfahrungsaustausch für Alleinerziehende dazu.

Damit Eltern sie schnell finden, hat der Kreis Nordfriesland eine Liste aller derzeitigen Angebote mit Ort, Zeit und Ansprechpartnern, nach Sozialräumen gegliedert, unter www.nordfriesland.de/fua ins Internet gestellt.

Auch im Bereich der EGH können Präventionsmaßnahmen recht simpel konstruiert sein. Forscher haben nachgewiesen, dass kleine Kinder, die regelmäßig auf Bäume klettern, im Matsch spielen, Trampolin springen oder sich anderweitig körperlich betätigen, über besser vernetzte Gehirnzellen verfügen als Stubenhocker.

»Toben macht schlau«, bringt Daniel Thomsen es auf den Punkt: »Deshalb freut sich jeder Pädagoge über gut ausgestattete öffentliche Spielplätze. Spielplätze sind kein Luxus, sondern ein Teil des Bildungssystems.«

Jugendgerichtshilfe

Erstmals wurde 2014 auch die Jugendgerichtshilfe ausgeschrieben und für sogar sechs Jahre an einen freien Träger vergeben: den Jugendhilfeverein Nordfriesland.

»Auch zwischen der Jugendgerichtshilfe und der Jugendhilfe gibt es zahlreiche Schnittstellen. Aus langjähriger Zusammenarbeit kennen wir den Jugendhilfeverein als verlässlichen Partner und freuen uns darauf, zukünftig noch enger zusammenzuwirken«, erklärt Daniel Thomsen.