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Foto: Bernd Höfer, Breklum

Kreishaus in der Marktstraße in Husum

17.04.2021

Tourismus-Modellregion Nordfriesland: Viele Detailfragen sind geklärt

Seit das Land Schleswig-Holstein den Kreis Nordfriesland als Modellregion ausgewählt hat, wenden Betriebe, Einheimische und potenzielle Urlaubsgäste sich mit zahlreichen Fragen an die Verwaltung. »Die Entscheidung des Landes kam früher als erwartet. Wir waren freudig überrascht, sind uns aber auch der großen Verantwortung bewusst, die nun auf unseren Schultern liegt. Jetzt arbeiten wir mit Hochdruck daran, die Details zur Umsetzung zu klären«, erklärt Landrat Florian Lorenzen.

Das beim Land eingereichte Konzept habe zunächst nur den groben Rahmen vorgegeben. Im nächsten Schritt sei nun festzulegen, wie die einzelnen Punkte konkret umgesetzt werden. »Innerhalb weniger Tage konnten wir zusammen mit unseren Rechtsexperten, dem Gesundheitsamt, unseren IT-Fachleuten und der kreisweiten Koordinierungsrunde bereits viele Lösungen auf den Weg bringen«, so der Verwaltungschef.

Internetseite zur Modellregion

Ziel des Modellprojekt-Konzeptes ist es, unter wissenschaftlicher Beobachtung vorsichtige Öffnungsschritte des Tourismus einzuleiten. Unter www.nordfriesland.de/modellregion stellt der Kreis fortlaufend neue Informationen ins Netz. Dort sind die Bewerbung des Kreises sowie Antworten auf häufige Fragen zu finden.

Ab Beginn der kommenden Woche haben Betriebe dort außerdem die Möglichkeit, sich über ein Online-Formular für die Teilnahme am Projekt einzuschreiben. Die Dokumente, die sie dann ausgefüllt mit hochladen müssen, stehen bereits im Netz.

Allgemeinverfügung setzt rechtlichen Rahmen

Als rechtliche Grundlage dient eine Allgemeinverfügung des Kreises, die seit dem 16. April unter https://t1p.de/g7yu eingesehen werden kann und am 1. Mai in Kraft tritt. Sie gibt den rechtlichen Rahmen vor, den Betriebe akzeptieren müssen, um teilnehmen zu können.

Die Teilnahme ist freiwillig. Jeder Betrieb, der die Voraussetzungen erfüllt und sich verpflichtet, die Auflagen einzuhalten, darf teilnehmen.

Projektleitung für Fragen eingerichtet

Die bestehende Koordinierungsgruppe aus verschiedenen Fachleuten tagt weiterhin regelmäßig in Videokonferenzen, um aufkommende Fragen intern zu klären. Zusätzlich hat der Kreis eine eigene Projektleitung eingerichtet. Sie steht für Fragen rund um die Modellregion zur Verfügung und ist per E-Mail an modellregion@nordfriesland.de erreichbar.

Wer in NF entschied über die Bewerbung?

An der Entscheidung, eine Bewerbung als »Modellregion Nordfriesland« einzureichen, waren neben dem Landrat selbst auch Experten aus der Tourismusbranche, dem Handel und den örtlichen Verwaltungen beteiligt. Im Vorfeld hatten sich zudem die Mitglieder des Kreis-Hauptausschusses und die Kreistagsfraktionen als gewählte Vertreterinnen und Vertreter der Bevölkerung mit jeweils großer Mehrheit für die Bewerbung ausgesprochen.

Vorsichtige Öffnungsperspektive

Doch die Verwaltung erreichen auch kritische Stimmen zum Modellprojekt. »Die darin ausgedrückten Sorgen und Ängste nehmen wir sehr ernst. Unser Konzept ist nicht etwa ein unüberlegter Schnellschuss, nur um möglichst zügig ›den Rubel wieder ins Rollen‹ zu bringen. Vielmehr stecken darin Wochen an Arbeit und reiflichen Überlegungen sowie Erkenntnisse aus dem vergangenen Jahr. Dadurch können wir unseren Bürgerinnen, Bürgern, Betrieben sowie touristischen Gästen eine vorsichtige Öffnungsperspektive unter ausgefeilten Sicherheitsmaßnahmen anbieten«, betont Lorenzen.

Alle 1-2 Tage zum Test

Einen der Kernpunkte des Kreiskonzeptes bildet das strenge Testregime. Dadurch wird gewährleistet, dass Gäste sich mindestens alle zwei Tage testen lassen. Die Nutzung von teilnehmenden Restaurants und weiteren Angeboten ist nur mit einem höchstens 24 Stunden alten negativen Testergebnis möglich. Das Einchecken in der Unterkunft setzt ein Negativergebnis voraus, das nicht älter als 48 Stunden sein darf.

»Mit knapp 60 Teststationen, verteilt über das gesamte Kreisgebiet, sind wir bereits sehr gut ausgestattet. Etwa 20 weitere kommen in den nächsten Tagen hinzu. Dennoch sind alle teilnehmenden Betriebe gehalten, neben dem Zugriff auf die bestehenden Testkapazitäten gegebenenfalls weitere zu schaffen. Zudem müssen sie jeweils einen Testbeauftragten in ihrem Unternehmen bestimmen, der für die Testungen des Personals sowie der Gäste verantwortlich ist«, erklärt Christian Grelck, Jurist und Koordinator der Teststationen beim Kreis.

Land + DB ermöglichen Entzerrung auf Marschbahn

Am Freitag (16. April) hat das Wirtschaftsministerium Schleswig-Holstein eine finanzielle Unterstützung der Deutschen Bahn bei der Ausweitung der Marschbahn-Kapazitäten angekündigt. Insgesamt 4,4 Millionen Euro will das Land in seiner ›Sommeroffensive‹ zur Verfügung stellen, die Deutsche Bahn bringt weitere 4,3 Millionen Euro ein. So können die Kapazitäten der Züge und Sitzplätze auf der Strecke Hamburg – Sylt ab dem 7. Mai deutlich erhöht werden.

Landrat Lorenzen betont: »Ich bin dem Land Schleswig-Holstein und der DB sehr dankbar für ihre gemeinsame Initiative. Der Kreis Nordfriesland und insbesondere die Sylt-Pendler haben immer wieder auf die Enge in den Zügen zwischen Niebüll und Sylt hingewiesen – ein Problem, das durch die Pandemie eine zusätzliche Dimension bekommen hat. Umso bedeutsamer ist es, dass die Verkehre ab dem 7. Mai spürbar entzerrt und die täglichen Sitzplätze erheblich aufgestockt werden. Auch im Hinblick auf die Modellregion Nordfriesland, in der der Tourismus ab dem 1. Mai testweise und sehr behutsam wieder anlaufen kann, sind diese Verbesserungen ein Teil der notwendigen Voraussetzung, und wir begrüßen sie sehr.«

Darüber hinaus sollen Bereitschaftszüge bereitstehen und bei Störungen kurzfristig zum Einsatz kommen. Die Sorge der Berufspendlerinnen und -pendler, dass die oft ohnehin schon überfüllten Züge durch Urlaubsreisende nun noch voller werden, dürfte damit zumindest ein Stück weit ausgeräumt werden.

Nimmt Sylt teil?

Die Insel Sylt hatte beim Land einen eigenen Projektantrag eingereicht, um ihren regionalen und infrastrukturellen Besonderheiten gezielt Rechnung zu tragen. Nach der Entscheidung des Landes fanden sich Vertreterinnen und Vertreter des Kreises und der Insel Sylt erneut zusammen, um ihre Konzepte einander anzunähern.

Letztlich müssen nun die Sylter entscheiden, ob sie bei der Modellregion auf Grundlage des Kreiskonzeptes dabei sein wollen oder nicht. Dann gilt der rechtliche Rahmen in der Allgemeinverfügung des Kreises auch für die Sylter Betriebe.

Die Rückmeldungen der Amtsvorsteherin des Amtes Landschaft-Sylt und des Bürgermeisters der Gemeinde Sylt stehen noch aus und sind für die kommende Woche angekündigt. Sollte Sylt sich dann für eine Teilnahme entscheiden, wird die Allgemeinverfügung des Kreises entsprechend ergänzt.

Start des Modellprojektes wäre dann im gesamten Kreisgebiet einschließlich aller nordfriesischen Inseln der 1. Mai.

Gründlichkeit und Sicherheit wichtiger als Schnelligkeit

»Es war richtig, den Starttermin des Modellprojektes auf den 1. Mai zu legen. Wir wussten, dass nach der Projektauswahl durch das Land noch diverse Abstimmungen und Feinarbeiten nötig sein würden. Gerade in Pandemiezeiten gehen Gründlichkeit und Sicherheit vor Schnelligkeit. Deshalb wollten wir uns genügend Zeit einräumen, um alle Detail- und Umsetzungsfragen vor dem Start zu klären, und auch allen interessierten Betrieben ausreichend Zeit für die Vorbereitung verschaffen«, erklärt Florian Lorenzen.

Starttermin 1. Mai hängt vom Infektionsgeschehen ab

Ob der Starttermin gehalten werden kann, hängt aber letztlich vom weiteren Verlauf des Infektionsgeschehens ab. Der Landrat blickt optimistisch in die Zukunft: »Selbst wenn die Corona-Zahlen im Kreisgebiet einen Start zum geplanten Termin nicht zulassen sollten, so haben wir dann bereits ein umfangreich ausgearbeitetes Konzept und sind zu einem späteren Zeitpunkt umgehend startklar.«