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Foto: Bernd Höfer, Breklum

Kreishaus in der Marktstraße in Husum

01.07.2014

Vier Wege zu mehr Wald

Mit einem Waldanteil von gut vier Prozent gehört Nordfriesland zu den waldärmsten Regionen Deutschlands. »Eine Verdoppelung werden wir sicherlich nicht erreichen, aber eine Erhöhung wäre auf jeden Fall sinnvoll«, erklärt Landrat Dieter Harrsen.

In einem Pressegespräch im Husumer Kreishaus stellte er gemeinsam mit Franz Brambrink, dem Leiter des Fachdienstes Umwelt in der Kreisverwaltung, Wege zu mehr Wald vor.

»Wir haben uns bereits lange vor den Stürmen im Herbst 2013 Gedanken gemacht«, sagte Brambrink. Das Ergebnis sind vier verschiedene Ansätze, mit denen der Kreis Privatleute, Gemeinden oder Vereine bei der Gründung von neuem Wald unterstützen kann.

1. Wald als Ausgleichsmaßnahme

Zum einen kann ein Wald als Ausgleich für Baumaßnahmen wie etwa landwirtschaftliche Ställe angepflanzt werden; auch Gemeinden sind durch das Bau- und die Naturschutzgesetze von Land und Bund verpflichtet, bei der Ausweisung neuer Baugebiete einen Ausgleich für die dadurch zerstörte Natur zu schaffen.

Als klassische Kompensationsmaßnahme gilt die Anpflanzung von Knicks, Hecken oder Streuobstwiesen, aber auch die Neuanlage eines Waldes wäre durchaus denkbar. »Allerdings muss die Ausgleichsmaßnahmen zu der Fläche passen, auf der sie durchgeführt werden soll«, erklärt Franz Brambrink.

Deshalb sind in der Marsch relativ viele Ausgleichsgebiete dem Wiesenvogelschutz gewidmet, während ein Wald dort nicht in Frage kommt. »Wälder gehören auf die Geest«, sagt Brambrink. Allerdings komme es auch auf die Größe der Fläche an: Ein Hektar sollte es mindestens sein, lediglich in direkter Nähe zu einem vorhandenen Wald würde auch ein halber Hektar ausreichen.

2. Waldfinanzierung mit Ersatzgeldern

Zum zweiten kann der Kreis die Ersatzgelder in die Neuwaldbildung lenken, die Investoren ihm überweisen, wenn sie für ihre Baumaßnahmen keinen anderweitigen Ausgleich leisten können. Viele Ersatzgelder stammen aus der Errichtung von Windkraftanlagen, die Eingriffe in das Landschaftsbild darstellen.

Der Kreis kauft keine eigenen Flächen, fördert aber beispielsweise Naturschutzvereine, Gemeinden oder Deich- und Hauptsielverbände, die Land kaufen, um dort Naturschutzmaßnahmen umzusetzen.

3. Wald als Öko-Konto

Zum dritten bietet sich die Anpflanzung eines Waldes für Inhaber eines Öko-Kontos an. Wer ein Grundstück dauerhaft dem Naturschutz widmen will, kann sich von der unteren Naturschutzbehörde des Kreises ein Öko-Konto einrichten lassen. Je nach Güte der Fläche und Effekt der Maßnahme werden ihm Öko-Punkte gutgeschrieben.

»Pro Hektar sind bis zu 17.000 Punkte erreichbar – aber nur bei gleichzeitigen Artenschutzmaßnahmen, weil der Nutzen für die Natur hier am höchsten liegt«, erklärt Franz Brambrink.

Die Öko-Punkte kann der Besitzer des Grundstückes später an einen Investor verkaufen, der damit einen Eingriff in die Natur ausgleichen kann.

Auf diese Weise refinanzieren sich die Aufwendungen des Grundstücksbesitzers und tragen sogar noch Zinsen – in Form von Geld für ihn, in Form besserer natürlicher Verhältnisse für Pflanzen, Tiere und Menschen.

4. Flächenbündelung durch Gemeinden

Von der vierten Idee versucht die untere Naturschutzbehörde insbesondere Ämter und Kommunen zu überzeugen: Sie können etwa auf Amtsebene die Ausgleichsmaßnahmen, zu denen sie verpflichtet sind, bündeln und statt mehrerer kleiner Maßnahmen gemeinsam eine große schaffen.

Auf diese Weise könnten mehrere Hektar zusammenkommen, auf denen sich eine Waldbildung anbietet.

»Die gemeindliche Entwicklung wird allzu oft auf die bauliche Weiterentwicklung fokussiert, obwohl zum Beispiel Naturschutzmaßnahmen ebenfalls dazugehören«, wirbt Landrat Dieter Harrsen für einen Bewusstseinswandel.

Ein Wald werte nicht nur die Natur, sondern durch seine Erholungsfunktion auch die Standortqualität der umliegenden Gemeinden auf. Zusätzlich bringe er den Klimaschutz voran, indem die Bäume das klimaschädliche CO2 speichern.

Maßnamen-Kombination ist möglich

Interessenten müssen sich nicht für eine der vier Möglichkeiten entscheiden, sondern können sie, wo es sinnvoll ist, auch miteinander kombinieren. »Wir stehen für Beratungsgespräche jederzeit gern zur Verfügung«, betont Franz Brambrink.