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Foto: Bernd Höfer, Breklum

Kreishaus in der Marktstraße in Husum

29.04.2026

Ein Jahr Leitung im Sozialzentrum Föhr-Amrum

Das Sozialzentrum Föhr-Amrum nimmt in Nordfriesland eine besondere Rolle ein: Vor Ort betreuen die Mitarbeitenden derzeit etwa 184 erwerbsfähige und 46 nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Es ist damit das kleinste der sieben Sozialzentren – dafür aber besonders erfolgreich.

2025 gelang dem Team die mit Abstand höchste Integrationsquote unter den Standorten. Rund 33 Prozent der Kundinnen und Kunden konnten in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vermittelt werden; der Durchschnittswert aller Sozialzentren lag bei circa 21 Prozent. Ein Hauptgrund dafür ist der touristisch geprägte Arbeitsmarkt der Inseln.

Seit Januar 2025 leitet Yvonne Peyser das Sozialzentrum Föhr-Amrum. Auf das erste Jahr blickt sie positiv zurück. Im Interview mit dem Kreis Nordfriesland erzählt sie unter anderem, wie abwechslungsreich ihre Aufgabe ist, was sie daran reizt und warum die Insellage für ein Sozialzentrum durchaus positiv ist.

Frau Peyser, wie würden Sie jemandem, der noch keine Berührungspunkte damit hatte, erklären, was ein Sozialzentrum ist?

Es ist eine zentrale Anlaufstelle für Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Wir beraten, unterstützen und helfen ganz praktisch – zum Beispiel bei der finanziellen Absicherung, der Arbeits- und Ausbildungssuche, der Beantragung von Leistungen, bei Behördenangelegenheiten, Sprachkursen, Integrationsangeboten und Schulden.

Dabei arbeiten wir sehr bürgernah und sind niedrigschwellig erreichbar: Man kann einfach vorbeikommen. Ein Großteil unserer Tätigkeit findet jedoch außerhalb unserer Öffnungszeiten statt. Diese Zeit ist wichtig, um Anträge sorgfältig zu bearbeiten, Fälle zu prüfen und die Qualität unserer Arbeit sicherzustellen. Unser Sozialzentrum ist übrigens an das Amt Föhr-Amrum angegliedert, der Bereich des Jobcenters wird hingegen vom Kreis Nordfriesland als Aufgabenträger gelenkt und koordiniert.

Wie fällt Ihr persönliches Fazit zu den zurückliegenden zwölf Monaten aus?

Mein erstes Jahr in der neuen Rolle war sehr intensiv und lehrreich. Ich habe mich in verschiedenen Sachgebieten weitergebildet und fachlich sowie persönlich viel dazugelernt. Das habe ich als bereichernd empfunden. Na klar, es gab einige Herausforderungen. Manche konnten wir schnell lösen, an anderen arbeiten wir noch. Eines ist aber deutlich geworden: Die Weiterentwicklung eines Sozialzentrums ist ein fortlaufender Prozess, der Flexibilität erfordert. Genau das macht die Arbeit für mich so spannend. Darüber hinaus bin ich mit unserem Miteinander als Team wirklich glücklich. Wir ziehen an einem Strang und arbeiten gemeinsam daran, uns weiterzuentwickeln.

Wie sieht Ihr Aufgabenbereich als Leiterin denn konkret aus?

Ich bin unter anderem für die Personalführung, die Teamsitzungen, die Mitarbeitergespräche und die Sicherstellung von Bearbeitungs- und Qualitätsstandards verantwortlich. Auch Themen wie die Prüfung der Zahlläufe, die Budgetplanung, das Berichtswesen und die Planung der Mittelverwendung liegen bei mir. Dabei koordiniere ich mich beispielsweise in den Bereichen Grundsicherung für Arbeitsuchende, Wohngeld oder Asylbewerberleistungen eng mit dem Kreis als Aufgabenträger. Und gleichzeitig bin ich Ansprechpartnerin für die Amtsverwaltung in allen Angelegenheiten des Sozialzentrums.

Haben Sie auch direkten Kontakt zu den Kundinnen und Kunden?

Ja, etwa die Hälfte meiner Tätigkeit besteht weiterhin aus dem Fallmanagement für Geflüchtete – eine Aufgabe, um die ich mich bereits vorher gekümmert habe und die mir sehr am Herzen liegt. Ich unterstütze die Menschen beispielsweise bei der Vermittlung in Deutschkurse und den Einstieg in den Arbeitsmarkt. Viele von ihnen entwickeln sich sehr positiv und sind unheimlich dankbar für die Unterstützung.

Im Rahmen meiner Leitungsfunktion spreche ich aber auch mit Kundinnen und Kunden, die ihre Anliegen direkt mit mir klären möchten. Diese Gespräche sind nicht immer einfach, aber sehr wichtig – vor allem, wenn es darum geht, Sachverhalte verständlich zu erklären oder Konflikte zu lösen. Die Rolle als Vermittlerin – etwa zwischen der Kundschaft, den Mitarbeitenden und dem Kreis – finde ich sehr spannend. Sie ist anspruchsvoll, abwechslungsreich und man sieht, welche positiven Ergebnisse durch gute Kommunikation und Zusammenarbeit entstehen können.

Was reizt Sie an Ihrer neuen Aufgabe und haben Sie Eigenschaften, die Ihnen in Ihrer täglichen Arbeit helfen?

Ich fand die Möglichkeit spannend, etwas mit einem Team gemeinsam aktiv zu gestalten und dadurch zusammen frischen Wind ins Sozialzentrum zu bringen. Dabei ist es mir wichtig, für die Kolleginnen und Kollegen immer ansprechbar zu sein – vor allem aber, sie in ihrer Arbeit bestmöglich zu unterstützen.

In meinem Berufsleben bin ich schon vielen unterschiedlichen Menschen begegnet und habe dabei immer etwas über Kommunikation gelernt. Zudem würde ich mich als empathische Person beschreiben. Ich lege Wert darauf, anderen auf Augenhöhe zu begegnen und Situationen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, um so gemeinsam gute Lösungen zu entwickeln. Das alles ist durchaus hilfreich in meinem Arbeitsalltag.

Apropos Arbeit: Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen in puncto Arbeitsmarkt auf Föhr und Amrum und wie kann das Sozialzentrum dazu beitragen, diesen entgegenzuwirken?

Die Inseln sind stark vom Tourismus geprägt, viele Arbeitsverhältnisse sind saisonal. Eine zentrale Herausforderung besteht also darin, Menschen dauerhaft in eine sozialversicherungspflichtige und unbefristete Beschäftigung zu integrieren. Deshalb versuchen wir gezielt, nachhaltige Perspektiven zu schaffen. Ein wichtiger Ansatz ist die enge Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern vor Ort. Aktuell bauen wir diese Kontakte weiter aus und gehen gezielt auf größere Betriebe zu, um uns als Ansprechpartner im Fallmanagement bekannter zu machen und stärker zu vernetzen.

Bringt die Insellage Vorteile für das Sozialzentrum mit sich?

Ja, ganz sicher. Die Wege sind sehr kurz – sowohl zu den Kundinnen und Kunden als auch zu Arbeitgebern und anderen Akteuren. Dadurch ist die Zusammenarbeit oft unkomplizierter. Außerdem gibt es ein starkes Vertrauen untereinander. Die Menschen auf den Inseln halten zusammen, das spürt man deutlich. Man kennt sich, arbeitet eng zusammen und unterstützt sich gegenseitig. Das erlebe ich als sehr positiv und hilfreich für unsere tägliche Arbeit.

Blicken Sie zum Abschluss einmal in Richtung Zukunft. Was wünschen Sie sich für das Sozialzentrum Föhr-Amrum?

Ein großer Wunsch von mir ist, dass das Sozialzentrum auch künftig – trotz zunehmender Digitalisierung und gesetzlicher Veränderungen – ein verlässlicher Ansprechpartner vor Ort ist. Gerade Menschen in besonderen Lebenssituationen brauchen persönliche Beratung und individuelle Unterstützung. Für mein Team wünsche ich mir, dass unsere Arbeit weiterhin Wirkung zeigt, die Menschen dadurch vorankommen und die Wertschätzung, die wir erfahren, auch in Zukunft unser größter Antrieb bleibt.