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Foto: Bernd Höfer, Breklum

Kreishaus in der Marktstraße in Husum

13.10.2020

Einladung zur Frauen-Film-Reihe 2020

Zum 27. Mal laden die Husumer Kinobetriebe und das Gleichstellungsbüro des Kreises Nordfriesland zur Frauen-Film-Reihe ein. Sie umfasst fünf Filme, die zwischen dem 4. November und dem 2. Dezember 2020 im Husumer Kinocenter, Neustadt 114, gezeigt werden. Sie beginnen jeweils um 16 Uhr und um 20 Uhr. Der Eintritt kostet nachmittags sechs Euro und abends acht Euro.

Die Reihe beginnt mit einem Werk von Haifaa al Mansour; sie gilt als erste Frau in Saudi-Arabien, die als Filmregisseurin arbeitet. Ihr Film schildert den Kampf einer Ärztin, als politische Kandidatin anerkannt zu werden. Es folgt eine Dokumentation über die Schwedin Hilma af Klint, die 1906 ihr erstes abstraktes Bild malte – lange vor Kandinsky. Der Film »Chichinette – Wie ich zufällig Spionin wurde« zeigt die kaum bekannte Geschichte der französischen Jüdin Marthe Hoffmann Cohn, die als Spionin der Alliierten in Nazi-Deutschland ihr Leben aufs Spiel setzte. Eine emotionale Geschichte erzählt die syrische Regisseurin Waad al-Kateab in »Für Sama«. Es ist eine Art filmischer Liebesbrief an ihre kleine Tochter. Die Reihe endet mit dem Regiedebüt der Berliner Schauspielerin Esther Zimmering, in dem sie sich auf Spurensuche zur Geschichte ihrer jüdischen Familie begibt.

Nähere Informationen unter www.gleichstellung.nordfriesland.de und www.kino-center-husum.de; Kartenbestellungen unter Tel. 04841 2569 oder auf der Internetseite des Kino-Centers.

Details zu den Filmen

Die perfekte Kandidatin
4.11.2020
Saudi-Arabien, Deutschland 2019
105 Minuten
Regie: Haifaa Al Mansour
FSK ab 0

Dr. Maryam arbeitet als Ärztin in einem Krankenhaus in der saudi-arabischen Provinz Riyadh. Dort wird es zunehmend schwerer, die Patienten zu behandeln, weil die Zufahrt zum Krankenhaus aus einem Sandweg besteht, der bei Regen so matschig wird, dass ihn die Krankenwagen nicht mehr passieren können. Als Maryam eine medizinische Konferenz in Dubai besuchen will, wird sie am Flughafen nicht in den Flieger gelassen, weil man dazu die Unterschrift eines männlichen Vormundes braucht. Da ihr Vater, ein Musiker, gerade auf Tour ist, wendet sich Maryam an ihren politisch aktiven Cousin Rashid, der gerade zufällig nach Kandidaten für das Amt des Gemeinderat-Vorstands sucht. Maryam beschließt kurzerhand, selbst für das Amt zu kandidieren, schließlich könnte sie dann auch endlich etwas an der matschigen Zufahrt zum Krankenhaus ändern. Aber natürlich gibt es da eine Menge Widerstände in dem Land, in dem Frauen überhaupt erst seit 2018 an das Steuer eines Autos dürfen …

Der Film wurde mit dem Prädikat »Besonders wertvoll« ausgezeichnet.

Jenseits des Sichtbaren
11.11.2020
Deutschland 2019
93 Minuten
Regie: Halina Dyrschka
FSK ab 0

Mitte der 80er-Jahre sorgt ein schwedischer Kunsthistoriker dafür, dass die Schwedin Hilma af Klint einer breiten Öffentlichkeit bekannt wird – jedoch rund 100 Jahre zu spät. Denn die 1862 in Solna geborene Künstlerin malte abstrakte, von Mystik und Spiritismus beeinflusste Bilder lange vor Mondrian oder Kandinsky. Insgesamt kreierte sie über 1.500 abstrakte Gemälde, die der Nachwelt für viele Jahrzehnte verborgen bleiben. »Jenseits des Sichtbaren« stellt die wichtige Frage, wieso eine Frau, die Anfang des 20. Jahrhunderts die abstrakte Malerei begründete, von der Kunst- und Fachwelt so lange mit Missachtung gestraft wurde. Die Filmemacherin Halina Dyrschka nähert sich in »Jenseits des Sichtbaren« auf behutsame Weise einer komplexen, vielschichtigen Künstlerinnenpersönlichkeit, die ihrer Zeit weit voraus war.

Chichinette – Wie ich zufällig Spionin wurde
18.11.2020
Deutschland 2019
86 Minuten
Regie: Nicola Alice Hens
FSK ab 0

Nachdem Marthe Cohn alias Chichinette (»kleine Nervensäge«) fast 60 Jahre lang geschwiegen hat, erzählt die französisch-jüdische 99-Jährige nun ihre außergewöhnliche Geschichte darüber, wie sie es schaffte, als Spionin Nazis zu bekämpfen. Unterstützt von ihrem Mann Major bereist sie die Welt, um endlich ihre Geschichte mit der Allgemeinheit zu teilen und die jüngeren Generationen an die Gräuel des Nationalsozialismus zu erinnern. Im Dokumentarfilm »Chichinette« werden ihre Reisen und Vorträge für die Nachwelt festgehalten und durch animierte Szenen ergänzt. Es entsteht ein Bild vom Leben einer Frau, die im Krieg ihre Schwester und ihren Verlobten verlor und 1945 ihr eigenes Leben aufs Spiel setzte, um für die Alliierten zu spionieren und so zum Ende des Krieges beizutragen.

Der Film wurde mit dem Prädikat »Besonders wertvoll« ausgezeichnet.

Für Sama
25.11.2020
Großbritannien, Syrien 2019
95 Minuten
Regie: Waad Al-Kateab
FSK ab 16

Die Filmemacherin Waad al-Kateab hat einen beeindruckenden Film gedreht. »Für Sama« ist ein Vermächtnis an ihre im Krieg geborene Tochter. Über einen Zeitraum von fünf Jahren hat die junge Frau mit ihrem Handy und ihrer Kamera zunächst die Protestbewegungen und dann den furchtbaren Krieg in Syrien dokumentiert und erzählt von ihrem Leben im aufständischen Aleppo, wo sie sich verliebt, heiratet und ihr Kind zur Welt bringt, während um sie herum der verheerende Bürgerkrieg immer größere Zerstörung anrichtet. Sie hat das Leid der Menschen und der Personen in ihrer unmittelbaren Nähe aufgezeichnet und findet selbst inmitten der Bombardements Spuren von Freude und Lebensmut. Gerade durch diesen Blick von innen heraus ist der Film so besonders, so wahr, so entsetzlich und unfassbar. Und doch ist er auch ein Zeugnis für das Miteinander der Menschen, für den Zusammenhalt in Krisenzeiten und für Toleranz.

Der Film wird anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am 25. November gezeigt. Er wurde als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet mit dem Europäischen Filmpreis 2019, dem British Independent Film Award 2020 und auf dem Festival de Cannes.

Swimmingpool am Golan
2.12.2020
Deutschland 2018
88 Minuten
Regie: Esther Zimmering
FSK ab 0

Der Film folgt den Lebenswegen der jüdisch-deutschen Familie Zimmering, deren Mitglieder an der Gründung zweier Staaten, der DDR und Israels, entscheidend mitgewirkt haben. Lizzi entkam 1939 knapp dem Holocaust. In England begegnete sie dem FDJ-Mitbegründer Josef Zimmering und heiratete ihn. 1945 kehrten sie zurück nach Ostdeutschland, in die Sowjetische Besatzungszone, und wirkten dort am Aufbau der DDR mit. Im Gegensatz zu Lizzi gelang ihrer Cousine Lore die Flucht nach Palästina. Dort heiratete sie den Zionisten Max Zimels, der als Gesandter für die Jewish Agency in Berlin noch Tausende von Juden nach Palästina retten konnte. Sie waren Mitbegründer Israels und lebten im Kibbuz Kfar Szold, nahe dem Golan.

Die Filmemacherin Esther Zimmering begibt sich in Berlin und Israel auf die Suche nach den großen Ideen, denen ihre Vorfahren gefolgt sind, und stößt auf unterschwellige Konflikte und Geheimnisse. Sowohl auf israelischer als auch auf ostdeutscher Seite tauchen merkwürdige und politisch brisante Lücken in den Legenden der Familie auf, für die sich Esther immer intensiver interessiert.