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Foto: Bernd Höfer, Breklum

Kreishaus in der Marktstraße in Husum

20.06.2018

Jobcenter NF: Vermittlungszahlen 2017 gesteigert

Das Jobcenter Nordfriesland hat im Jahr 2017 mehr Langzeitarbeitslose in sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze vermittelt als in den Vorjahren: »Mit 2.032 Vermittlungen liegen wir um rund zwölf Prozent über dem Wert von 2016 und um sieben Prozent über dem von 2015«, freut sich Landrat Dieter Harrsen. Auch die Vermittlungen in Ausbildungsverhältnisse haben zugenommen, und zwar von 186 (2016) auf 222 – ein Plus von 19 Prozent. Die Arbeitslosenquote sank leicht auf 3,6 Prozent im Dezember 2017. Damit lag sie auf dem Niveau des Bundes und leicht unter dem Landesdurchschnitt von 3,8 Prozent.

Die Gründe sieht Axel Scholz, der Leiter des Jobcenters NF, in der guten Konjunktur und der optimierten Zusammenarbeit zwischen dem Kreis und seinen sieben in der Fläche verteilten Außenstellen: »Wir betrachten jeden Klienten einzeln und suchen maßgeschneiderte Lösungen für ihn – vom Abbau eventueller Vermittlungshemmnisse über Qualifizierungsmaßnahmen bis hin zu der Frage, ob er oder sie von der Persönlichkeit her mit dem in Aussicht genommenen Betrieb harmoniert. Als hilfreich haben sich daneben einige organisatorische Maßnahmen erwiesen, mit denen wir die interne Zusammenarbeit deutlich effektiver gestaltet haben.«

Langweilige Routine kennt das Jobcenter kaum, betont Scholz: »Immer wieder gibt es neue Ideen und Projekte, mit denen wir Arbeitslose und Unternehmen zusammenzuführen versuchen.«

Projekt Jobzentrale

Eines davon ist intern als Jobzentrale bekannt: Eine Datenbank, die mehrere Jobbörsen im Internet durchsucht und nur Arbeitsplätze ausweist, die in Nordfriesland liegen.

Natürlich kann man die Datenbanken auch von Hand einzeln durchsuchen, aber das dauert erheblich länger und bringt für Erwerbslose auch einen gewissen Frustfaktor mit sich: »Wer neun Webseiten erfolglos abgegrast hat, verliert die Lust auf die zehnte, obwohl vielleicht gerade dort die große Chance wartet«, stellt Axel Scholz fest.

Noch steht die Jobzentrale nur den Personalvermittlern der Außenstellen des Jobcenters zur Verfügung, doch demnächst wird sie von fünf auf zehn durchsuchte Datenbanken erweitert und dann auch auf öffentlichen PCs in den Zentren und im Husumer Kreishaus zur allgemeinen Benutzung angeboten werden. Eine Freischaltung im Internet kommt aufgrund der dann deutlich höheren Lizenzkosten nicht in Betracht.

Qualifizierung in idealer Form

Er weiß, dass Qualifizierungsmaßnahmen am besten wirken, wenn sie mit der konkreten Perspektive verbunden sind, anschließend unmittelbar in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis gelangen zu können.

Deshalb reagierte Scholz sofort, als die Deutsche Bahn AG Triebfahrzeugführer für die Strecke Hamburg – Westerland suchte. Die erforderliche Weiterbildung organisierte das Unternehmen selbst. Das Jobcenter bot der DB an, geeignete Bewerber vorzuschlagen und die Maßnahmekosten zu finanzieren. Im Gegenzug verpflichtete sich die DB, alle Teilnehmenden nach erfolgreicher Abschlussprüfung unbefristet zu übernehmen.

Seitdem lernen sechs Personen den Umgang mit der Bahntechnik – hochmotiviert durch die anspruchsvolle Tätigkeit und durch die Aussicht, ab Mitte 2018 nicht mehr auf das Arbeitslosengeld II angewiesen zu sein. Insgesamt finanzierte das Jobcenter NF im letzten Jahr kreisweit 1.652 Qualifizierungsmaßnahmen.

Auf dem Weg zu einem sozialen Arbeitsmarkt

Stets besteht die Gefahr, besonders arbeitsmarktferne Menschen von jeder Teilhabe am gesellschaftlichen Leben abzukoppeln. Kommen etwa Krankheit, Sucht und Schulden in einer Person zusammen, ist kaum noch an eine reguläre Beschäftigung zu denken.

»Doch auch diesen Mitmenschen wollen wir Chancen bieten – mögen sie auch einen langen, dornenvollen Weg vor sich haben. Es gibt immer wieder positive Vorbilder, die sich mit viel Unterstützung wieder ins normale Leben zurückgekämpft haben«, stellt Landrat Dieter Harrsen fest. Bereits 2012 setzten er und der Kreistag sich für die Schaffung eines sozialen Arbeitsmarktes ein, der zunächst Beschäftigungen auf niedrigem Niveau anbietet, deren Ziel die Einhaltung einer festen Tagesstruktur und der Wiederaufbau eines gewissen Selbstwertgefühls sind.

Nach zaghaften Anfängen schuf die Bundesregierung nun bessere Rahmenbedingungen. Im Jahr 2017 konnte der Kreis aus einem Förderprogramm des Bundes 25 Plätze finanzieren. »Die Teilnehmer fangen mit kleinen Schritten an und finden zusehends in ein normales Leben zurück«, freut sich Axel Scholz. Er geht davon aus, dass zumindest einige von ihnen am Ende wieder im allgemeinen Arbeitsmarkt Fuß fassen werden.

Dieter Harrsen hofft, dass der Bund diesen Bereich in den nächsten Jahren noch erheblich ausbaut: »Arbeitsminister Hubertus Heil hat entsprechende Signale gesetzt. Wir werden auf jeden Fall versuchen, weitere Plätze finanziert zu bekommen.«

Arbeitsvermittlung für Geflüchtete

Unter den 2.032 in Arbeit vermittelten Personen waren 182 Geflüchtete. »Nach Abschluss ihres Asylverfahrens werden sie automatisch zu Kunden des Jobcenters. Der Ausländeranteil unter den erwerbsfähigen Hilfebedürftigen verdoppelte sich von rund zehn Prozent im Jahr 2015 auf rund 20 Prozent im Jahr 2017. Im letzten Jahr haben wir auf diese Weise 488 Personen hinzubekommen, die wir nun fit für den Arbeitsmarkt machen wollen«, erklärt Axel Scholz.

Die Statistik zeigt, dass Geflüchtete ihre Arbeitsstelle überdurchschnittlich oft wieder nach einigen Monaten verlieren. »Meist liegt es an fehlenden Sprachkenntnissen oder einer Ausbildung, die für eine Berufstätigkeit im Herkunftsland ausreicht, bei uns aber nicht. Die Ansprüche an das, was jemand können muss, sind in Deutschland oft deutlich höher«, musste Scholz erkennen.

Inzwischen wirbt er dafür, die Sprachkurse für Migranten in die Obhut des Jobcenters zu legen: »Es nützt wenig, wenn jemand solide Deutschkenntnisse auf dem sogenannten B1-Niveau erwirbt, dann aber ein halbes Jahr lang kaum mit Deutschen zu tun hat, bevor er zum Jobcenter überwiesen wird. Natürlich vergisst man dann vieles wieder.«

Er ist überzeugt, dass das Jobcenter Sprachkurse so organisieren könnte, dass sie zu besseren Ergebnissen führen. Immer weniger hält er davon, Geflüchtete direkt in Arbeit zu vermitteln: »Wir erzielen nachhaltigere Erfolge, wenn wir den Leuten eine richtige Berufsausbildung nach deutschen Standards ermöglichen. Nur so gewinnen wir die Fachkräfte, die unsere Wirtschaft so dringend benötigt!«

An den Migranten selbst wird das nicht scheitern, sind Dieter Harrsen und Axel Scholz überzeugt: Die meisten seien überaus motiviert und wollten etwas aus sich machen. Im Jahr 2015 nahmen vier Geflüchtete eine Ausbildung auf, im Jahr 2016 waren es acht und 2017 bereits 24.