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Foto: Bernd Höfer, Breklum

Kreishaus in der Marktstraße in Husum

25.08.2020

Landrat Florian Lorenzen: schwer beeindruckt von Hallig Hooge

Geahnt hatte er es bereits, aber nun steht für ihn fest: Die Halligen sind eine andere Welt. Mit dieser Erkenntnis beendete Landrat Florian Lorenzen Anfang August ein Besichtigungsprogramm auf Hallig Hooge. Zwei Tage lang nahm Bürgermeisterin Katja Just sich bei bestem Wetter Zeit, den Verwaltungschef über die Themen zu informieren, die den Hoogern auf den Nägeln brennen.

»Von Station zu Station habe ich dabei viele beeindruckende Menschen kennengelernt, die sich mit Herzblut für die Zukunft ihrer Hallig engagieren. Und ich habe weiter verinnerlicht, dass die Umstände auf einer Hallig sich extrem von denen auf dem Festland unterscheiden. Viele Probleme müssen dort ganz anders angepackt werden, manchmal bedarf es auch individueller Halliglösungen«, berichtet Lorenzen.

Schiffbarkeit der Fahrrinnen gefährdet

Katja Just freut sich, beim Landrat auf offene Ohren zu stoßen, etwa bei der Aufgabe, die Fahrrinnen zu den Halligen schiffbar zu erhalten. Weil der Bund sie nicht als Bundeswasserstraßen anerkennt, müssen die Halliggemeinden die Kosten selbst finanzieren. »Wie sollen wir das bei unseren Einwohnerzahlen stemmen?«, fragt Just. Florian Lorenzen sieht es genauso und wird die Halligen bei ihren Finanzierungsverhandlungen mit dem Land unterstützen.

Schlüttsiel als eigenständiges Ausflugsziel

Wie gut die Halligen erreicht werden können, hängt aber auch von vielen weiteren Faktoren ab – etwa der Attraktivität der Anlegestelle Schlüttsiel, dem Fahrplan der WDR-Fähren, den Busverbindungen von dort zu den Bahnhöfen in Husum und Bredstedt oder den Unterstellmöglichkeiten bei Wind und Regen.

»Schlüttsiel muss so attraktiv sein und so breit beworben werden, dass die Gäste es als eigenständiges Ausflugsziel ansehen«, gab die Bürgermeisterin dem Landrat mit auf den Weg. Er ist unter anderem für den ÖPNV zuständig.

Mit dem wiedereröffneten Hotel, darin waren sich beide einig, sei ein großer Schritt nach vorn gelungen.

Medizinische Versorgung mit Internetanschluss

Auf der Hanswarft lernte der Besucher vom Festland die medizinische Infrastruktur der Hallig kennen: Zwei beim Zweckverband Daseinsvorsorge fest angestellte Krankenpfleger sind für die meisten Vorkommnisse gut gerüstet.

Wird ein Arzt benötigt, bewährt sich das vom Land geförderte Projekt HALLIGeMED: Über das Internet nehmen die Pfleger Kontakt mit der Telenotfallmedizinzentrale in Kiel auf. Dort stehen ihnen rund um die Uhr Ärzte zur Verfügung, die per Ferndiagnose sogar Medikamente verordnen können.

»Das gibt Bürgern und Personal ein extrem wichtiges Gefühl von Sicherheit. Auch viele Gäste fragen vorab nach der medizinischen Versorgung und würden ohne diese Möglichkeiten gar nicht erst anreisen«, weiß Katja Just.

Florian Lorenzen kann das nachvollziehen und wird sich in den Verhandlungen mit dem Land dafür einsetzen, dass das Projekt weiterentwickelt und über den Jahreswechsel hinaus fortgesetzt wird.

Lob für die Bauverwaltung des Kreises

Ob bei der Breitbandversorgung, der Straßensanierung, der Warftverstärkung, dem Bau eines Markttreffs samt Dauerwohnungen oder etlichen weiteren Themen: Immer wieder ließ Katja Just anklingen, dass eine engagierte, gut funktionierende öffentliche Verwaltung unverzichtbar ist.

»Seit die Bauverwaltung des Kreises Nordfriesland für uns zuständig ist, geht es hier richtig voran – alle Beteiligten verdienen ein ganz großes Lob für ihre flotte, konstruktive Arbeit«, hob die Gemeindechefin hervor.

Auf hauptamtliche Unterstützung angewiesen

Eine enorme Hilfe sei darüber hinaus Annemarie Lübcke, die sich mit ihrem kleinen Planungsbüro auf Hooge angesiedelt hat und vor Ort die tägliche Koordination etwa zwischen Baufirmen, Bürgern und Gemeinde übernimmt. »Ohne sie würde ich als ehrenamtliche Bürgermeisterin untergehen«, gibt Katja Just offen zu.

Florian Lorenzen kann das nachvollziehen: »Auf den Halligen müssen in praktisch jedem Bereich ständig eigene Lösungen erarbeitet werden. Insbesondere jetzt, wo viele Projekte gleichzeitig umgesetzt werden, erzeugt das ein irrwitziges Arbeitspensum, das ohne hauptamtliches Personal gar nicht zu schaffen ist«, stellt er fest.

Ehrung für Harry Diedrichsen

Weitere Stationen des Besuchsprogramms umfassten die Schule, den Kindergarten, eine Bürgerversammlung, eine Salzwiesenexkursion, den Halligkaufmann und die Kirchwarft.

Im Seglerhafen überraschte der Landrat den Hafenmeister und Schlengelwart Harry Diedrichsen mit einer Dankesurkunde für 50 Jahre ehrenamtlicher Tätigkeit. An Gesprächsthemen mangelte es den beiden begeisterten Seglern nicht.

Unverzichtbarer Teil der nordfriesischen Identität

»Ich habe selten zwei so interessante Tage erlebt«, zieht Florian Lorenzen eine Bilanz seines Besuches in einer völlig anderen, aber urnordfriesischen Welt und verspricht: »Der Kreis Nordfriesland wird sein Möglichstes tun, um die Halligen zu unterstützen, wo es nötig ist. Diese Kleinode im Wattenmeer sind nicht nur für den Küstenschutz unentbehrlich, sondern auch ein unverzichtbarer Teil der nordfriesischen Identität.«