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Foto: Bernd Höfer, Breklum

Kreishaus in der Marktstraße in Husum

26.06.2020

Perspektive in der Gastronomie: In drei Wintern zum Berufsabschluss

Immer häufiger spüren die Betriebe der Tourismusbranche in Nordfriesland den Fachkräftemangel. Das ist auch Landrat Florian Lorenzen bewusst. Er appelliert an alle Betriebe, ihre Azubis im August zu übernehmen: »Wer es wirtschaftlich irgendwie stemmen kann, sollte diese Chance nutzen. Denn zum Beginn der nächsten Saison könnte der Arbeitsmarkt schon wieder leergefegt sein.«

Als weiteren Schritt zur Fachkräftesicherung in der Branche sieht der Verwaltungschef eine neue Qualifizierungsmaßnahme, mit der Ungelernte vollwertige Berufsabschlüsse erreichen können. Zur Auswahl stehen die Berufsbilder Restaurantfachmann oder -frau, Hotelfachmann oder -frau sowie Koch oder Köchin.

Bezahlte Arbeit im Sommer, bezahlte Weiterbildung im Winter

Hans-Martin Rump, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Flensburg, stellte dem Landrat bei einem Besuch in der letzten Woche das Konzept der Teilqualifikation »TQ Hotellerie & Gastronomie« vor.

Es wurde zusammen mit der IHK Flensburg und der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein (WAK) entwickelt und mit dem DEHOGA Schleswig-Flensburg abgestimmt. Es ist ein Pilotprojekt in Schleswig-Holstein.

»Unser Ziel ist es, die weniger saisonstarken Zeiten zu nutzen, um Helfer in der Gastronomie über drei Winter hinweg zu Fachkräften zu qualifizieren. Arbeitgeber können ihre Beschäftigten fast zum Nulltarif im Unternehmen halten, da wir das Arbeitsentgelt so gut wie vollständig übernehmen. Auch Beschäftigte profitieren, da sie über Winter mit vollem Gehalt an einer Weiterbildung teilnehmen und sich eine glänzende Perspektive für eine durchgängige Beschäftigung erarbeiten«, erklärte Rump.

Florian Lorenzen und der Leiter des Jobcenters Nordfriesland, Axel Scholz, erkannten sofort die Chancen, die dieses Angebot bietet. Sie beschlossen umgehend, es in den nordfriesischen Jobcentern bekannt zu machen.

Chance für un- und angelernte Beschäftigte, Saisonkräfte und Aushilfen

Die Zielgruppe sind un- und angelernte Beschäftigte, Saisonkräfte und Aushilfen in der Gastronomie, die in dieser Branche ihre berufliche Zukunft sehen.

Hotels und Restaurants mit Mitarbeitern ohne einschlägigen Berufsabschluss bekommen durch die »TQ Hotellerie & Gastronomie« ein neues Instrument zur Personalentwicklung und Fachkräftesicherung an die Hand.

Sechs Kurse führen zum Berufsabschluss

»Das Projekt besteht aus sechs aufeinander aufbauenden Kursen, die jeweils Kenntnisse und Kompetenzen in einem bestimmten betrieblichen Arbeitsfeld vermitteln. Wer alle Kurse erfolgreich absolviert, kann sich zur Abschlussprüfung im gewählten Berufsbild anmelden«, erläutert Landrat Lorenzen.

Jeder Kurs dauert drei Monate und besteht aus theoretischem Unterricht sowie einer Praxisphase im Betrieb. Pro Winter werden zwei Kurse unterrichtet.

Das Programm beginnt im Oktober 2020 mit dem Kurs »Fachkraft für Buffet und Service«, im Januar 2021 geht es weiter mit der Qualifikation zur »Fachkraft für Küche und Magazin«. Pünktlich zu Ostern kehren die Teilnehmer wieder in ihre Betriebe zurück.

Je nach angestrebtem Berufsabschluss teilt sich die Gruppe im weiteren Verlauf der Qualifizierung in die Fachrichtungen Küche, Restaurant und Hotelfach auf. Jeder Kurs endet mit einer IHK-zertifizierten Kompetenzfeststellung.

Auch einzelne Kurse verbessern Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Es besteht keine Pflicht für die Teilnehmer, über drei Winter die komplette Qualifizierung zu durchlaufen, denn auch durch einzelne Kurse verbessern sie ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Axel Scholz denkt dabei an über 25-Jährige ohne Berufsabschluss, für die eine klassische duale Berufsausbildung nicht mehr in Frage kommt, an Berufsrückkehrer mit länger zurückliegender Ausbildung und an Menschen mit Migrationshintergrund.

»Für sie alle stellen die Kurse eine große Chance dar. Denn jeder einzelne Kurs ist auch für sich genommen wertvoll, weil er alle notwendigen Kompetenzen für einzelne betriebliche Einsatzfelder vermittelt«, betont er.

WAK bietet hochmoderne Ausbildung

Die Qualifizierung findet im Bildungszentrum für Tourismus und Gastronomie der WAK in Husum statt. Die Teilnehmer kommen in den Genuss einer voll ausgestatteten Lehrküche auf modernstem Stand. Auch ein Lehrrestaurant steht zur Verfügung.

Das Dozententeam setzt sich aus erfahrenen Küchenmeistern und Fachleuten aus dem Gastgewerbe, praxiserprobten Dozenten aus der Erwachsenenbildung, Lehrkräften und Fachlehrern zusammen.

Prämie: 1.500 Euro

Im Sommer 2023 können die Teilnehmer die Abschlussprüfungen vor der IHK Flensburg ablegen. Wer die Abschlussprüfung besteht, kann bei der Agentur für Arbeit eine Prämie in Höhe von 1.500 Euro beantragen.

Ansprechpartner für Interessierte

Ansprechpartnerin für Interessierte ist Sabine Christiansen im Bildungszentrum für Tourismus und Gastronomie der WAK in Husum, Tel. 04841 960830, E-Mail husum@wak-sh.de.

Kunden des Jobcenters NF wenden sich an ihre dortige Ansprechperson.

Betriebe, Beschäftigte und Kunden der Arbeitsagentur finden ihren direkten Ansprechpartner unter 0461 819 918.