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Foto: Bernd Höfer, Breklum

Kreishaus in der Marktstraße in Husum

01.04.2019

Heilmittel gegen Sturmflut gefunden? Eher nicht: April, April!

Der Kreis Nordfriesland beschafft 300 Hochleistungspumpen, um während Sturmfluten die Wasserstände vor den Deichen zu senken. Ziel ist es, Deichbrüche zu verhindern.

Die Deiche sind den Nordfriesen heilig. Aus gutem Grund: Sie entscheiden maßgeblich, ob Sturmfluten für die Bewohnerinnen und Bewohner der küstennahen Gebiete glimpflich verlaufen. Gefährlich wird es, wenn die Kombination besonders hoher Wasserstände und außergewöhnlicher Windgeschwindigkeiten auftritt – bis jetzt. Dieses Szenario, das bei seinem Eintreten bisher massiven Druck auf die Deiche ausübte, soll in Zukunft unterbunden werden.

300 NEUE PUMPEN

Die Katastrophenschützer aus dem Fachdienst Rettungswesen der nordfriesischen Kreisverwaltung haben eine Lösung entwickelt: 300 Hochleistungspumpen sollen die Deiche davor bewahren zu brechen. Dafür pumpen sie das Wasser im Bedarfsfall ins Inland und damit weg aus dem für die Deiche kritischen Bereich.

»Deichschutz ist für uns Ehrensache«, bekräftigt Nina Rahder, die für den Katastrophenschutz zuständige Fachbereichsleiterin, das Vorhaben. »Dass meine Kollegen diese bahnbrechende, aber eben nicht deichbrechende Lösung entwickelt haben, ist ein gewaltiger Schritt.«

Landrat Dieter Harrsen weist ebenfalls auf die besondere Rolle der Deiche hin: »Die Deiche haben nicht umsonst ihren Niederschlag im Logo der Standortmarke ›Moin Lieblingsland‹ gefunden. (www.moinlieblingsland.de)

Der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz des Landes Schleswig-Holstein (LKN.SH) begrüßt die teure Investition des Kreises. »Für die Pumpen wurde in der Tat viel Steuergeld in die Hand genommen, aber es geht eben um den Schutz unserer Küstenlinie«, heißt es aus dem LKN.SH, der sich dieses Vorgehen auch von den anderen Westküstenkreisen wünscht. »Immerhin haben wir nicht nur die nordfriesische, sondern insgesamt 466 Kilometer Nordseeküste abzusichern«, betont Dr. Hendrik Brunckhorst, Pressesprecher des LKN.SH.

SCHUTZNIVEAU SOLL NOCH AUSGEDEHNT WERDEN

Mit der Anschaffung und Installation der Pumpen ist das Projekt nicht abgeschlossen. Stattdessen soll das Potenzial der Pumpen nach Möglichkeit weiter ausgeschöpft werden. »Wir haben Beraterfirmen mit der Prüfung beauftragt, ob wir das Wasser auch in die Ostsee und damit noch weiter weg von unseren Deichen pumpen könnten«, erläutern Boye Hach und Daniel Gerber vom Zivil- und Katastrophenschutz der Kreisverwaltung.

Die Machbarkeitsstudie solle auch klären, ob das Wasser gegebenenfalls durch den Nord-Ostsee-Kanal zurück an die Nordsee laufen würde. »Wir wollen in jedem Fall nicht durchdachte Schritte vermeiden«, betonen die beiden und setzen auf die Gründlichkeit der externen Prüfer.

GLASFASER-AUSBAU NUTZEN

Ganz diesem Credo der ausgereiften Planung folgt auch eine nachhaltige Sparmaßnahme, damit das ohnehin millionenschwere Projekt nicht ausufert: »In den bestehenden Glasfaser-Bauabschnitten lassen wir direkt Leerrohre mitverlegen, um die zukünftigen Kosten für den Stromanschluss der Pumpen zu mindern«, weiß Sebastian Schildger, ebenfalls Mitarbeiter des Zivil- und Katastrophenschutzes im Husumer Kreishaus.

ABLAUF IM ERNSTFALL

Wann die Pumpen anspringen, entscheidet der Sturmflutwachdienst des Kreises. Dabei handelt es sich um einen Bereitschaftsdienst, der rund um die Uhr durch eine sachkundige Person aus dem Fachdienst Rettungswesen besetzt ist. Sobald Pegelstände und Windgeschwindigkeiten bestimmte Grenzwerte überschreiten, wird der Bereitschaftsdienst durch eine Software alarmiert.

Ordnet er daraufhin den Betrieb einzelner oder aller Pumpen an, wird zudem ein Mitarbeiter der Öffentlichkeitsarbeit informiert, um die Bevölkerung auf den Pumpeneinsatz aufmerksam zu machen. »Während die Pumpen laufen, kann der Druck im Leitungswassernetz plötzlich und stoßförmig zunehmen. In Absprache mit unserem Gesundheitsamt würden wir in dieser Situation beispielsweise aus Sicherheitsgründen davon abraten, zu duschen«, erklärt Kreis-Pressesprecher Hans-Martin Slopianka, der dann mit seinen Kollegen über die Web- und die Facebookseite des Kreises (www.nordfriesland.de bzw. https://facebook.com/nordfrieslandDE) nähere Einzelheiten bekanntgeben würde.