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Foto: Bernd Höfer, Breklum

Kreishaus in der Marktstraße in Husum

18.06.2019

Jobcenter-Bilanz 2018: Der Drehtüreffekt wird seltener

Ein Jahr solider Ergebnisse ohne große Ausschläge nach oben oder unten – so charakterisiert Landrat Dieter Harrsen das Jahr 2018 aus Sicht des Jobcenters Nordfriesland. Wie in jedem Jahr stellten er und Jobcenter-Leiter Axel Scholz die Vorjahresbilanz ihrer Arbeitsvermittlung für Langzeitarbeitslose im Rahmen eines Pressegesprächs vor.

»Insgesamt 1.899 Menschen, die mindestens ein Jahr lang erwerbslos waren, haben wir in Zusammenarbeit mit den sieben nordfriesischen Sozialzentren in sozialversicherungspflichtige Arbeits- oder in Ausbildungsverhältnisse vermittelt«, berichtet Scholz.

Im Jahr 2017 hatten noch 2.032 Klienten des Kreises sozialversicherungspflichtige Jobs gefunden. Den Rückgang erklärt Scholz mit der guten Konjunktur, der stetigen Ausdehnung der Urlaubssaison und dem zunehmenden Fachkräftemangel: »Die Betriebe halten ihre Arbeitnehmer fest, Entlassungen sind seltener geworden.«

Dadurch sinke auch der sogenannte Drehtüreffekt – der Fachausdruck für einen in Arbeit Vermittelten, der sich noch im gleichen Jahr erneut beim Jobcenter anmeldet. Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften sank 2018 um 258 auf 5.272.

Maßgeschneidertes Jobtraining

Scholz und seine rund 170 Mitstreiter in der Kreisverwaltung und den Sozialzentren tun viel dafür, ihre Kunden fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Neuen Kunden wird umgehend ein »Jobtraining« angeboten – ein Maßnahmenpaket aus rund 15 Modulen, aus denen nur die ausgewählt werden, die für den jeweiligen Einzelfall wirklich geeignet sind.

Melden sich 25- bis 35-Jährige ohne abgeschlossene Ausbildung, wird ihnen parallel der Weg in Qualifizierungsmaßnahmen oder Einstiegsqualifizierungen eröffnet.

»Auch wenn wir 2017 und 2018 insgesamt 1.278 Personen ins Jobtraining gebracht haben, gehen wir immer auf den einzelnen Menschen ein. Wer zum Beispiel schon zwei Bewerbungstrainings hatte, dem werden wir kein drittes anbieten«, betont Axel Scholz.

Sinn des vom Husumer Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk durchgeführten Jobtrainings sei es, den genauen Maßnahmenbedarf schnell zu ermitteln und umgehend Abhilfe zu schaffen. Im April 2019 wurde das Jobtraining weiterentwickelt zum »Werkcampus«: Das Fallmanagement und die Leistungsberechnung des Jobcenters arbeiten seitdem Tür an Tür mit dem Personal des Bildungsträgers, um noch schneller und enger kooperieren zu können.

Grün und bunt

Maßnahmen wie »Grün und bunt« hingegen wenden sich an Kundinnen und Kunden mit gravierenden Vermittlungshemmnissen, die nicht einmal mittelfristig Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Unter fachkundiger Anleitung bewirtschaften acht Männer und Frauen einen Schrebergarten in Husum.

Das erzeugte Gemüse wird zwischen ihnen selbst, der Tafel und der Bahnhofsmission aufgeteilt. Doch das ist nur ein Nebeneffekt: Im Vordergrund stehen die soziale Teilhabe und die Gewöhnung an eine regelmäßige Tagesstruktur.

»Wir geben niemanden auf«, unterstreicht Landrat Dieter Harrsen: »Arbeit dient ja nicht nur dem Lebensunterhalt, sondern schafft Kontakte, gibt dem Tag einen Sinn und verbessert so die Lebensqualität. Gerade diejenigen, die ein Formtief durchmachen, dürfen davon nicht ausgeschlossen werden. Wir trauen auch diesen Mitmenschen etwas zu und wollen ihnen helfen, wieder ins normale Leben zurückzufinden.«

Geflüchtete

Eine wachsende Zielgruppe des Jobcenters sind Geflüchtete. Auf sie entfielen 2018 bereits rund zehn Prozent aller Vermittlungen in Ausbildung oder Arbeit. Da Berufsausbildungen nach deutschen Maßstäben im Nahen Osten und in Afrika selten sind, müssen die Fallmanager in den Sozialzentren ihren Klienten immer wieder erklären, warum es besser wäre, zunächst eine schlechter bezahlte Ausbildung zu machen, statt gleich ein normales Arbeitsverhältnis anzustreben.

»Andererseits schafft man eine Ausbildungsprüfung nur mit guten Deutschkenntnissen, und die erwirbt man am leichtesten bei der Arbeit«, stellt Axel Scholz fest. Deshalb sei es oft sinnvoll, Geflüchtete zunächst zur Vervollständigung ihrer Sprachkenntnisse in Arbeit und sie erst ein bis zwei Jahre später in eine Ausbildung zu vermitteln.

Einsatz und Kreativität

Insgesamt zeigt sich Landrat Dieter Harrsen sehr zufrieden mit den Leistungen des nordfriesischen Jobcenters: »Kreis und Sozialzentren betrachten ihre Kunden nicht als Nummern, sondern gehen mit großem Einsatz und hoher Kreativität auf jeden Einzelfall ein. Und die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen«, lobt er.

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