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Foto: Bernd Höfer, Breklum

Kreishaus in der Marktstraße in Husum

25.09.2019

Bildungs- und Teilhabepaket: Kreis wirbt für Nutzung neuer Möglichkeiten

Zahlte der Kreis Nordfriesland 2013 noch 650.000 Euro für die Bildung und gesellschaftliche Teilhabe von Kindern aus ärmeren Familien, waren es 2018 bereits 800.000 Euro. »Der Betrag sollte in den nächsten Jahren gern noch deutlich stärker steigen, denn die Bildung der Kinder ist die wichtigste Investition, die unsere Gesellschaft überhaupt machen kann«, betont Landrat Dieter Harrsen.

Die Bundesregierung hatte das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) 2011 eingeführt, um das Arbeitslosengeld II zu ergänzen. Auch Kinder aus Familien, die Wohngeld, Sozialhilfe, den Kinderzuschlag oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen, haben einen Anspruch auf BuT-Leistungen.

Ausnahmeregelungen sorgen dafür, dass ein BuT-Antrag sich selbst dann lohnen kann, wenn das Familieneinkommen knapp über den Anspruchsgrenzen für staatliche Leistungen liegt.

Sieben Fördermöglichkeiten

Das BuT umfasst Zuschüsse für folgende Zwecke: Mittagessen in Schule und Kita, Schul- und Kitaausflüge sowie mehrtägige Klassen- und Kitafahrten, Schulbedarf wie Hefte und Stifte, Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben, Schülerbeförderungskosten, die nicht anderweitig übernommen werden, sowie Nachhilfestunden.

Unterschiedlich hohe Nachfrage

Mit rund 335.000 Euro wurde die Mittagsverpflegung im letzten Jahr am häufigsten in Anspruch genommen. »Das ist sicherlich der Einführung der Ganztagsschulen zu verdanken«, analysiert Axel Scholz, der Leiter des Jobcenters Nordfriesland.

Der zweitgrößte Ausgabeposten ist der Schulbedarf (253.000 Euro), dann folgen Ausflüge (213.000), Schülerbeförderung (107.000) und Vereinsbeiträge (104.000), ganz am Schluss steht die Lernförderung mit 67.000 Euro.

Teilhabeleistungen um 50 Prozent erhöht

»Deutlich zu selten werden die Leistungen für die Teilhabe abgerufen, die etwa für Vereinsbeiträge und Jugendfreizeiten gedacht sind«, findet Laura Jane Geiß, die Ansprechpartnerin für das BuT in der nordfriesischen Kreisverwaltung.

Seit dem 1. August hat der Bund den Zuschuss für Teilhabeleistungen pro Kind von zehn auf 15 Euro monatlich angehoben. »Wir hoffen sehr, dass nun mehr Kinder die Möglichkeit nutzen, Mitglied in einem Sportverein zu werden oder die vielfältigen anderen Freizeitangebote außerhalb von Vereinen zu nutzen. Dazu zählen Yoga mit Kind, Kinderturnen, Babyschwimmen, Musikunterricht und vieles mehr«, sagt Geiß.

Nachhilfestunden leichter zu kriegen

Sie weist auch auf neue Zugangsvoraussetzungen für die Lernförderung hin: Kinder und Jugendliche mit Schulproblemen kommen nun deutlich leichter an einen Zuschuss für Nachhilfestunden als vorher.

328 Partner bieten Leistungen an

Die Liste der zurzeit 328 Organisationen und Institutionen, die in Nordfriesland Leistungen des BuT anbieten, ist unter https://www.nordfriesland.de/Bildungs-und-Teilhabepaket im Internet abrufbar. Sie enthält beispielsweise Schulen, Kindergärten, Sportvereine und Jugendfeuerwehren.

»Wir freuen uns jederzeit über neue Partner, die sich anschließen möchten. Am liebsten wäre es uns, wenn alle Vereine und anderen Organisationen im Kreisgebiet, die Angebote für Kinder vorhalten, sich unserem unbürokratischen System anschließen würden. So gewinnen sie auch neue Mitglieder, die wiederum den Verein stärken«, sagt Scholz.

Die Bildungskarte: Simpel und verlässlich

Die Kinder brauchen bei den Partner-Organisationen nur die Bildungskarte im Scheckkartenformat vorzuzeigen, die das zuständige Sozialzentrum ihren Eltern automatisch zugesandt hat. Die Abrechnung mit dem Kreis erfolgt dann ohne weiteres Zutun der Kinder oder Eltern über eine Datenbank.

»Neulich hörte ich vom Vorsitzenden eines Sportvereins, der davon ausging, dass die Bildungskarte ein Gesamtguthaben aufweist, von dem bei jeder Inanspruchnahme etwas abgebucht wird. Er befürchtete, am Ende sei vielleicht nichts mehr für die gesellschaftliche Teilhabe übrig. Doch das ist falsch: Alle Leistungen werden gesondert abgerechnet, und für die Teilhabe sind immer 15 Euro vorhanden«, erklärt Axel Scholz.

Die Karte nicht einzusetzen ist wie bares Geld wegzuwerfen

Rund 4.750 Kinder in Nordfriesland verfügen über eine Bildungskarte, aber nur 3.000 Kinder nutzen sie zurzeit. »Die Karte nicht einzusetzen, ist das Gleiche, wie bares Geld wegzuwerfen«, unterstreicht Landrat Dieter Harrsen.

Eine echte Chance für die Kinder

Er sieht die Eltern in der Pflicht, ihren Nachwuchs zur Nutzung zu motivieren: Jahrelang hat Harrsen selbst Kinder und Jugendliche in Sportvereinen trainiert und immer wieder festgestellt, wie positiv sie sich dadurch entwickeln: »Sie gewinnen an Kraft und Selbstvertrauen, häufig verbessern sich sogar die Schulnoten. Deshalb appelliere ich an alle Eltern, die Bildungskarte als echte Chance für ihre Kinder zu sehen und mit ihnen zusammen zu überlegen, welche der vielen Möglichkeiten des Bildungs- und Teilhabepaketes sie nutzen wollen.«

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