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Foto: Bernd Höfer, Breklum

Kreishaus in der Marktstraße in Husum

04.10.2019

Digitale Agenda für Nordfriesland: ein Füllhorn an Ideen und Vorschlägen

Der Kreis Nordfriesland hat seine »Digitale Agenda« veröffentlicht. »Das ist mehr ein Füllhorn an Ideen und Vorschlägen als ein Plan, der von A bis Z abgearbeitet werden soll«, erläutert Landrat Dieter Harrsen. Der Kreis wendet sich damit an Gemeinden, Unternehmen, Schulen, Touristiker und nicht zuletzt auch an sich selbst: »An der ständig zunehmenden Digitalisierung aller möglichen Prozesse führt kein Weg vorbei. Wer nicht mithält, wird im Wettbewerb an den Rand gedrängt werden«, ist Harrsen sicher.

Deshalb appelliert er an alle Verantwortlichen im Kreisgebiet: »Befassen Sie sich mit dem Thema, setzen Sie um, was möglich ist, und behalten Sie künftige Entwicklungen im Auge!«

Insgesamt 68 Seiten umfasst die digitale Agenda. Erarbeitet wurde sie unter Federführung des Kreismitarbeiters Thorsten Wilcke von einer Arbeitsgruppe aus Mitgliedern aller Fraktionen des Kreistages; auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft NF und der nordfriesische Gemeindetag wirkten mit.

Vieles ist schon erreicht ...

»Im Text stellen wir zum einen dar, was bereits erreicht wurde, und das ist eine ganze Menge«, berichtet Diplom-Informatiker Thorsten Wilcke.

Überdurchschnittlich viele Gebäude sind an das Glasfasernetz angeschlossen, die kommunalpolitischen Gremien des Kreises und mehrerer Ämter arbeiten seit Jahren papierlos, auf den Inseln und Halligen wurden erste Ansätze der Telemedizin verwirklicht, eine Web-App fasst Bildungsangebote für Migranten zusammen, in Wirtschaft und Verwaltung greifen Außendienstler per Tablet-PC auf ihre Daten zu – diese und viele weitere Beispiele listet die Agenda-Datei auf.

... und vieles noch zu tun

Daneben stehen Ideen, die sich zumindest in Nordfriesland noch nicht durchgesetzt haben, darunter der Einsatz von Chat-Bots für wiederkehrende Fragen an die Verwaltungen, eine breite Sammlung öffentlich zugänglicher Infrastrukturdaten, die Ansiedlung von Rechenzentren auf der grünen Wiese oder die flächendeckende Verfügbarkeit freier WLANs.

»Dabei wäre vieles so einfach umzusetzen«, wirbt Thorsten Wilcke etwa für die Möglichkeit, an Parkuhren über eine Handy-App oder kontaktlos mit der EC-Karte zu bezahlen. »In Friedrichstadt geht das, in ganz Dänemark geht das, aber in den meisten Orten Nordfrieslands geht das noch nicht«, stellt er fest.

Vorbild Dänemark

Mit leuchtenden Augen denkt Wilcke an Dänemark. Vor wenigen Wochen konnte er vor Ort besichtigen, was das kleine Land alles unternimmt, um seine Spitzenposition im digitalen Europa zu behaupten: »Dort können die Bürgerinnen und Bürger jeden Verwaltungsvorgang übers Internet abwickeln. Da hängen wir Deutschen weit hinterher.«

Der Trick der Dänen: Sobald ein Verwaltungsprozess digitalisiert ist, streicht der Staat den alten, papiergebundenen Weg. Wer etwas von der Verwaltung will, muss dann übers Internet gehen. »Wir Deutsche hingegen trauen uns das nicht: Bei uns können bereits digitalisierte Anträge trotzdem weiterhin in Papierform gestellt werden, und auch der abschließende Bescheid der Behörde muss gedruckt und per Post zugestellt werden«, schüttelt Thorsten Wilcke den Kopf.

Die Kritik, Ältere, Behinderte oder Menschen ohne Internetzugang würden durch die Digitalisierung benachteiligt, lässt er nicht gelten: »Die vereinbaren dann eben einen Termin in ihrer dänischen Behörde, damit der dortige Sachbearbeiter ihr Antragsformular am Computer für sie ausfüllt. Das geht alles – wenn man nur will«, sagt Wilcke und weist darauf hin, wie viele Senioren auch südlich der Grenze ihr iPad lieben und nicht mehr ohne Smartphone aus dem Haus gehen.

Landrat Dieter Harrsen: Chancen wahrnehmen!

Auch Landrat Dieter Harrsen wirbt für Offenheit gegenüber der Digitalisierung: »Wir müssen die Chancen viel stärker wahrnehmen. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels ist es ein Riesenvorteil, wenn man viele Stunden Arbeitszeit einsparen kann, indem man seinen Mitarbeitern ermöglicht, die Datenbanken des Unternehmens oder der Behörde während eines Kunden- oder Hausbesuches so umfassend zu nutzen, als säßen sie im eigenen Büro.« Auch der Aspekt der Familienfreundlichkeit sei kaum zu überschätzen: »Ist ein Kind krank, können Mutter oder Vater es zuhause versorgen und trotzdem weiter ihrem Beruf nachgehen.«

Im Wettbewerb der Regionen ganz vorn

Dieter Harrsens ausdrücklicher Dank gilt den in Nordfriesland gegründeten Breitband-Gesellschaften und Zweckverbänden, die große Teile des Kreisgebietes mit Glasfaseranschlüssen versorgen: »Windpark-Betreiber, Privatleute und kommunale Behörden in Nordfriesland zeigen damit, wie fortschrittlich sie denken und wie viel ihnen daran liegt, die Zukunft unseres Kreises zu sichern. Ich bin sicher, dass diese gewaltigen Anstrengungen sich auszahlen werden. Im Wettbewerb der Regionen spielen wir ganz vorne mit – und müssen alles daran setzen, diese Position auch zukünftig zu halten!«

Die »Digitale Agenda« ist unter www.nordfriesland.de/digital im Internet zu finden.

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Ein Kommentar zu diesem Artikel

Glückwunsch
Herzlichen Glückwunsch zu dieser erarbeiteten Agenda. Hier kann sioch jeder in dem ein oder anderen Bereich wiederfinden. Die Infrastruktur wure/wird erstellt, jetzt liegt es an den Personen diese auch zu nutzen. Warum nicht einfach mal "skypen" anstatt eine eMail zu schreiben oder mit dem PKW zu einem Termin zu eilen. Hier ist viel Potential, wenn es denn genutzt wird......
Geschrieben am 11. Oktober 2019 um 15:08 Uhr von Christian Albertsen

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