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Foto: Bernd Höfer, Breklum

Kreishaus in der Marktstraße in Husum

Familienrat in Nordfriesland

Beispiel: Was Dr. Tischler sah, gefiel ihm gar nicht. Gerda S. saß vor ihm und erzählte gerade unter Tränen, wie ihr Vater sie gestern beschimpft und fast geschlagen hatte. Gerda pflegt ihren Vater nun seit fünf Jahren. Er ist weit über die Achtzig und zunehmend an einer Demenz erkrankt. Hilfe von anderen aus der Familie erhält Gerda nicht – aber sie mag auch nicht andere ansprechen. »Sie brauchen einen Familienrat«, sagte plötzlich Dr. Tischler. »Einen Familienrat, was ist denn das?«, fragten Gerda und ihr Mann, der unbewegt neben seiner Frau saß. Dr. Tischler erklärte das Verfahren. Zunächst sagte niemand etwas. Nach einer Weile schaute sich das Ehepaar an. Sie waren sich einig: »Mit einem Familienrat wollen wir es gern versuchen.« Dr. Tischler informierte die Anlaufstelle für Familienräte beim Kreis Nordfriesland. Dort wurde ein Koordinator ausgewählt, der daraufhin mit den Verwandten, Gerdas bester Freundin, den Nachbarn und dem Pflegedienst sprach.

Und alle waren bereit, Gerda zur Seite zu stehen und kamen zur Familien-Netzwerk-Konferenz.  

Dort wurde in einer längeren Beratung festgelegt:

  • Gerdas Bruder nimmt einmal im Monat den Vater von Freitag bis Montag zu sich.
  • Gerdas Schwester kommt mittwochs vormittags und passt auf den Vater auf, damit Gerda ihr geliebtes Aqua-Jogging machen kann.
  • Gerdas Kinder spielen einmal die Woche abends mit Opa »Mensch ärgere dich nicht«, so dass die Eltern in dieser Zeit wieder zum Doppelkopf gehen können. 
  • Die Nachbarin kommt zweimal pro Woche für zwei Stunden, damit Gerda und ihr Mann einkaufen fahren können. 
  • Gerdas Mann traut sich zu, montags nachmittags mit seinem Schwiegervater allein zu bleiben, so dass Gerda mit ihrer Freundin zum Bastelnachmittag der Kirchengemeinde gehen kann.
  • Dr. Tischler unterstützt Herrn und Frau S. bei der Beantragung einer Kur für Gerda und der Kurzzeitpflege für Opa.
  • Alle Beteiligten wollen einen Kurs bei der Demenzschule besuchen, um besser zu verstehen, warum Opa sich so verhält, wie er es tut.