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Foto: Bernd Höfer, Breklum

Kreishaus in der Marktstraße in Husum

NF Kompass - Begriffserklärungen

Auf der Suche nach der besten medizinischen Versorgung oder der passenden Therapie stößt man als Laie oft auf eine Vielzahl von verwirrenden Berufsbezeichnungen und offene Fragen:  Wobei unterstützt der Ergotherapeut? Was ist der Unterschied zwischen einem Psychiater und einem Psychologen? Bei welchen Beschwerden sucht man einen Neurologen auf?

Die Berufsbezeichnungen Psychologe, Psychotherapeut und Psychiater werden unter Laien oft synonym verwendet, es gibt jedoch erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Berufsgruppen.

Um Ihnen einen Überblick über die verschiedenen Berufsbezeichnungen zu geben und Sie bestmöglich bei der Suche nach dem passenden Angebot zu unterstützen, möchten wir Ihnen in diesem Verzeichnis die wichtigsten Begrifflichkeiten des Wegweisers erläutern:

Neurologe

Ein Neurologe ist ein Facharzt für Neurologie (Nervenkrankheiten) und wurde früher als Nervenarzt  bezeichnet. Er hat nach seinem regulären Medizinstudium noch eine mehrjährige (meist 5 Jahre an einer Universitätsklinik) Facharztausbildung absolviert und mit einer Facharztprüfung abgeschlossen. Der Neurologe behandelt vor allem körperliche Störungen des Nervensystems. Hierzu zählen alle Arten von Lähmungen, Gefühlsstörungen sowie Beeinträchtigungen im Bereich des Gleichgewichts, des Gedächtnisses und anderer Funktionen des Gehirns. Früher umfasste der Facharztabschluss „Neurologie“ auch die gesamte Psychiatrie und Psychotherapie. Es gibt also Neurologen, die auch psychiatrisch Kranke behandeln. Mittlerweile hat aber eine zunehmende Spezialisierung stattgefunden in die Bereiche „Neurologie“ und „Psychiatrie“.

Psychiater

Ein Psychiater ist ein Facharzt für Psychiatrie (und Psychotherapie). Er hat nach seinem regulären 6-jährigen Medizinstudium noch eine mehrjährige (meist 5 Jahre) Facharztausbildung absolviert und mit einer Facharztprüfung abgeschlossen. Er diagnostiziert und behandelt vor allem die seelischen, von außen meist nicht sichtbaren Erkrankungen eines Patienten. Hierbei handelt es sich überwiegend um Störungen des Denkens und Fühlens. So suchen beispielsweise Menschen mit Depressionen oder Angststörungen häufig einen Psychiater auf. Psychiater können auch als „ärztliche Psychotherapeuten“ arbeiten.

Ein Facharzt für Neurologie und Psychiatrie deckt beide Fachgebiete ab. Diese Berufsbezeichnung wurde 1992 wieder eingeführt.

Ärztlicher Psychotherapeut

Es handelt sich um einen Sammelbegriff für Ärzte, die eine psychotherapeutische Qualifikation nachweisen können. Ärztliche Psychotherapeuten sind oft „ganzheitlich“ tätig, d.h., dass sie nach ausführlicher Diagnostik mit dem Patienten ein Behandlungsziel definieren und dann psychotherapeutisch arbeiten. Manche Hausärzte sind auch ärztliche Psychotherapeuten.

Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Das Fachgebiet beschäftigt sich vorrangig mit Psychosomatik. Psychosomatik beschäftigt sich mit Leidenszuständen und Krankheiten, die zu körperlich-seelischen Wechselwirkungen führen, deren Ursachen aber auch psychosozial sein können.

Ein  Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie hat nach seinem regulären 6- jährigen Medizinstudium noch eine mehrjährige (meist 5 Jahre) Facharztausbildung in verschiedenen Fachgebieten(z.B. Innere Medizin, Psychosomatik, Psychiatrie/ Psychotherapie)  absolviert und mit einer Facharztprüfung abgeschlossen.

Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Diese Arztfachrichtung beschäftigt sich mit der Vorbeugung, Diagnostik und der Behandlung von psychischen, psychosomatischen und neurologischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. Sie hat sich aus der allgemeinen Psychiatrie entwickelt, stellt aber inzwischen ein eigenes Berufsbild dar. Hier ist eine enge Zusammenarbeit mit den Kinderärzten, Kinderneurologen und den Pädagogen gefragt. Die Weiterbildungszeit nach dem 6- jährigen Studium beträgt 5 Jahre.

Ein Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie kann ggf.hilfreich sein bei:

  • Entwicklungsstörungen
  • Schulproblemen, Teilleistungsstörungen
  • Problemen mit Aufmerksamkeit und Impulsivität
  • Psychischen Problemen nach Trauma, Misshandlung, familiären Konflikten u.ä.
  • Problemen mit der Sauberkeitserziehung
  • Essstörungen (Anorexie, Bulimie)
  • Verhaltensstörungen bei geistig behinderten Kindern
  • Psychosomatischen Beschwerden
  • Auffällig aggressivem Sozialverhalten
  • Suchtproblemen
  • Tic- Störungen, Zwängen
  • Epilepsien
  • Bei Sorgerechtsentscheidungen, Umgangsregelungen, Fremdunterbringung
  • Gerichtlichen Fragestellungen

Alle Ärzte können - im Gegensatz zu den Angehörigen der anderen Berufsgruppen- Medikamente wie z.B. Antidepressiva,  Antipsychotika und angstlösende Medikamente verschreiben.

Psychologe/ Psychologie

Psychologie ist die Wissenschaft vom Erleben, Empfinden und Verhalten des Menschen. Psychologen haben ein Studium absolviert und dieses i.d.R. mit einem Diplom oder einem Master- Titel abgeschlossen. Anschließend können sie eine Weiterbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten absolvieren, aber auch in anderen Berufsfeldern, beispielsweise in der Wirtschaft oder an Beratungsstellen tätig werden.

Viele Psychologen werden, sofern sie innerhalb des Studiums das Fach „klinische Psychologie“ studiert haben, nach ihrem Studium psychotherapeutisch tätig.

Manche bieten mit einer Heilerlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz privat Psychotherapie an (oftmals, wenn kein Kassensitz frei ist).

Heilpraktiker und Heilpraktiker, beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie

Heilpraktiker ist kein staatlich geprüfter Beruf. Um Heilpraktiker zu werden, ist weder eine definierte Ausbildung noch eine staatliche Prüfung erforderlich. Das erforderliche medizinische Grundwissen kann theoretisch im Selbststudium erfolgen. Auch werden keine klinischen Erfahrungen vorausgesetzt. Heilpraktiker und Heilpraktiker für Psychotherapie (so genannte sektorale Heilpraktiker / Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie) müssen sich gemäß Heilpraktikergesetz lediglich von dem zuständigen Gesundheitsamt überprüfen lassen, mit dem Ziel eine Gefährdung für potentielle Patienten auszuschließen.

Mit der Bezeichnung „Heilpraktiker“ darf Heilkunde einschließlich Psychotherapie ausgeübt werden. Der „Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie“ darf nur Psychotherapie anbieten. Bei schweren psychiatrischen Krankheiten muss der Patienten an einen Facharzt weitergeleitet werden.

Psychotherapie

Die Psychotherapie umfasst verschiedene psychologische Methoden und Verfahren um Verhaltensstörungen, Leidenszustände, psychische und psychosomatische Krankheiten zu behandeln und zu heilen.

Die Methoden und Verfahren in der Psychotherapie unterscheiden sich in ihren Richtungen. Diese können z. B. analytisch, tiefenpsychologisch fundiert, systemisch, weiterhin als Einzel,- Gruppen,- Familien- oder als Paartherapie angelegt sein. In Deutschland sind vor allem drei Verfahren gängig:  Die Verhaltenstherapie, die tiefenpsychologisch fundierte Therapie und die Psychoanalyse.

In der Regel bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen mehrere „probatorische“ Gespräche, in denen Patient und Therapeut sich kennenlernen und beide Seiten entscheiden können, ob sie die Therapie durchführen bzw. sich der Therapie unterziehen wollen. Es wird dann ein Antrag bei der Krankenkasse gestellt auf z.B. 20 oder mehr Therapieeinheiten.

Eine Psychotherapie kann aber auch stationär oder teilstationär (tagesklinisch) erfolgen, wenn bestimmte Voraussetzungen dafür gegeben sind (z.B. besonders schwere Symptomatik/ Dringlichkeit…). Hierfür benötigt der Patient eine Einweisung durch den behandelnden Arzt, günstigenfalls den Psychiater.

Medikamente werden oft unterstützend eingesetzt, müssen aber nicht zwingend eine Therapie begleiten.

Ergotherapeut/ Ergotherapie

Ergotherapeuten  unterstützen Menschen, die durch Krankheit, Behinderung oder Alter in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Einschränkungen bedroht sind. Das Ziel der Arbeit eines Ergotherapeuten ist es, Betroffene bei der Durchführung von Tätigkeiten, die für sie bedeutungsvoll sind, zu stärken. Es geht im Wesentlichen um die Bereiche Selbstversorgung, Freizeit und Produktivität in der persönlichen Umwelt von Erkrankten. Hierbei dienen spezifische Aktivitäten, Um- weltanpassung und Beratung dazu, dem Menschen im Alltag gesellschaftliche Teilhabe und eine Verbesserung seiner Lebenssituation zu ermöglichen.

Ergotherapie kann im stationären, teilstationären und ambulanten Bereich erfolgen, sowohl in Einzeltherapie als auch in Kleingruppen. Es geht bei der Ergotherapie weniger um die Krankheitssymptome oder die Wiederherstellung von Einzelfunktionen (wie es beispielsweise beim Bewegungstraining einer gelähmten Extremität der Fall ist) als vielmehr um eine Wiedererlangung der Handlungsfähigkeit. Dem Patienten soll geholfen werden, an einer individuellen Gestaltung seiner Umwelt teilzuhaben.

In der Ergotherapie werden künstlerische, handwerkliche, manuelle und geistige Fähigkeiten gezielt gefördert und geübt. Ergotherapie fördert und verbessert Bewegungskoordination, Sinnes- und Emotionswahrnehmung. Sie wird für jedes Alter angeboten und gehört zusammen mit der Physiotherapie und der Logopädie zu den wichtigsten Heilmitteln.

Die Ausbildung zum staatlich geprüften Ergotherapeuten dauert in der Regel 3 Jahre und wird mit einer staatlichen Prüfung abgeschlossen.

Logopäde/ Logopädie

Die Logopädie befasst sich in Theorie und Praxis mit Vorbeugung, Beratung, Diagnostik, Therapie und Rehabilitation, Lehre und Forschung auf den Gebieten der Stimme, Stimmstörungen und Stimmtherapie, des Sprechens, Sprechstörungen und Sprechtherapie, der Sprache, Sprachstörungen und Sprachtherapie, sowie des Schluckens, Schluckstörungen und Schlucktherapie. Beispiele für solche Störungen sind Lispeln, Stottern und Sprachverlust.

Ursachen für die genannten Störungen können neben körperlichen Krankheiten auch psychischer Art sein. Es kann zu Problemen der Kommunikation kommen, die mit Hilfe der Logopädie behoben oder gemildert werden können, zum Beispiel durch Artikulations- und Sprachverständnistraining.

Logopädische Therapie muss ärztlich verordnet werden, z. B. durch HNO- Ärzte, Kinderärzte, Neurologen, Kieferorthopäden, Phoniater und auch Hausärzte. Logopäden haben eine 3-jährige Ausbildung an einer Berufsfachfachschule absolviert.

Selbsthilfe/ Selbsthilfegruppen

Selbsthilfe ist das Prinzip, eigene Probleme aus eigener Kraft beziehungsweise gemeinsame Probleme mit gemeinsamer Anstrengung zu bearbeiten. Dieses Prinzip lässt sich einerseits im privaten und familiären Umfeld realisieren, andererseits bietet die organisierte Selbsthilfe (Selbsthilfegruppen) ein bewusstes Gegenkonzept zur professionell organisierten Fremdhilfe an. Wichtig ist in diesen Gruppen, eigene Verhaltensweisen von anderen  gespiegelt zu bekommen, aber auch von den Erfahrungen und Ratschlägen der anderen Gruppenmitglieder zu profitieren. Es gibt zahlreiche Selbsthilfegruppen. Man sollte mehrere besuchen, um herauszufinden, in welche man am besten mit den eigenen mitgebrachten Lebensgeschichten und Problemen passt und wo einem größtmögliche Unterstützung zuteil wird.

Ambulante Betreuung

Die ambulante Betreuung im eigenen Wohnraum wird u.a. für Menschen angeboten, die aufgrund der Schwere ihrer psychischen Erkrankung/Beeinträchtigungen Hilfe für die Aufrechterhaltung einer selbständigen Lebensführung und Verbesserung ihrer Lebenssituation benötigen. Das Ziel der ambulanten Betreuung ist es, ein möglichst eigenständiges Leben in der eigenen Wohnung und im Lebensumfeld zu ermöglichen.

Tagespflege (Senioren)

Die Tagespflege ist ein (teilstationäres) Betreuungsangebot für ältere Menschen, die in ihrem Alltag Hilfe und Pflege benötigen und zu Hause wohnen bleiben möchten. Tagespflege ergänzt also die Versorgung durch Angehörige und ambulante Dienste. Eine Tagespflegestätte kann man täglich oder nur an einzelnen Wochentagen besuchen.

Ambulante Betreuung (Senioren)

Ambulante Pflege ist die professionelle pflegerische und hauswirtschaftliche Versorgung von pflegebedürftigen Menschen in ihrer häuslichen Umgebung, die durch ambulante Pflegedienste erbracht wird. Ein ambulanter Pflegedienst sucht die/den Betroffene/n mehrmals wöchentlich oder auch mehrmals täglich in der eigenen Häuslichkeit auf.

Stationäre Betreuung (Senioren)

Personen, die nicht mehr in der Lage sind alleine Zuhause zu wohnen oder keine ausreichende ambulante Versorgung möglich ist, können in eine vollstationäre Pflegeeinrichtung ziehen. In einer Pflegeeinrichtung ist die Pflege und Betreuung durch professionelle Pflegekräfte rund um die Uhr sichergestellt.

Sozialpsychiatrischer Dienst im Gesundheitsamt (SPDi)

Der Sozialpsychiatrische Dienst ist in Schleswig Holstein in der Regel dem Öffentlichen Gesundheitsdienst (Gesundheitsamt) angegliedert.

Die Aufgaben bewegen sich im Rahmen der vor allem aufsuchenden Begleitung und Beratung von psychisch erkrankten Menschen und deren Angehörigen. Neben der aufsuchenden Beratung und bedarfsweisen Kriseninterventionen ist es auch die Aufgabe des Sozialpsychiatrischen Dienstes, bei Bedarf zu überprüfen, inwieweit eine akute Behandlungsbedürftigkeit bei einem Betroffenen vorliegt. Dann kann ggf. auch eine Klinikeinweisung erforderlich werden.