Hilfsnavigation

Webseite durchsuchen

Foto: Bernd Höfer, Breklum

Kreishaus in der Marktstraße in Husum

Insektenschutz in Nordfriesland

Der Kreis Nordfriesland unterstützt insektenfreundliche Maßnahmen.

Artenreich, unverzichtbar und bedroht: Die Insektenvielfalt Schleswig-Holsteins

Insekten sind die artenreichste Gruppe aller Lebewesen und stellen gut 70 Prozent der Tierarten weltweit dar. Auch in Deutschland sind etwa 33.000 der über 48.000 hierzulande bekannten wild lebenden Tierarten Insekten. Sie tragen damit wesentlich zur biologischen Vielfalt bei und kommen in nahezu allen Lebensräumen sowohl an Land als auch in Gewässern vor. So leben im artenreichen Grünland durchschnittlich 12 Insektenarten von einer Pflanzenart. Im Grünland lassen sich auch die meisten der 625 heimischen Zikadenarten finden. Und der Halligfliederspitzmausrüsselkäfer kommt deutschlandweit fast nur auf den nordfriesischen Inseln und Halligen vor.


Diese krabbelnde, summende und fliegende Vielfalt bereichert jedoch nicht nur das heimische Arteninventar: Bekanntermaßen bestäuben Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge zahlreiche Nutzpflanzen. Wespen, Holzkäfer helfen dabei, Laub, Totholz und anderes organisches Material abzubauen und in Humus umzuwandeln. Köcherfliegenlarven filtern das Süßwasser in Bächen und tragen somit zur Selbstreinigung von Gewässern bei. Und nicht zuletzt dienen Insekten zahlreichen anderen Tierarten als Nahrungsquelle: Steinschmätzer, Rauchschwalben, Buntspechte und viele andere Vogelarten ernähren sich hauptsächlich von Insekten. Kurzum: Insekten heben eine Schlüsselrolle in der Natur inne – ohne sie geht es nicht.


In den letzten Jahrzehnten sind jedoch viele Insektenbestände massiv zurückgegangen: Mehr als die Hälfte der schleswig-holsteinischen Insektenarten ist entweder in ihrem Bestand bedroht oder bereits ausgestorben. Das Verschwinden von Insekten bedroht nicht nur die heimische Artenvielfalt, sondern schwächt außerdem die dazugehörigen Ökosysteme. Die Ursachen hierfür sind vielfältig: Sie reichen von Lichtverschmutzung an Straßen und in Siedlungen über Landnutzungsänderungen, zu hohe Nährstoffeinträge bis hin zum übermäßigen Einsatz von Insektiziden.

Weitere Informationen für Gemeinden

Gemeinden, die selbst tätig werden wollen und Lebensräume für Insekten schaffen wollen, finden hier Informationen zum Eintieg.

Überblick und Einstieg: „Insektenschutz in der Kommune“

Kommunen bieten Insekten zahlreiche Lebensräume – auch Flächen abseits der klassischen Grünanlagen und Parks können ein Lebensraum für Insekten sein: Sportanlagen, Friedhöfe, aber auch Gewässer und auch Gebäude können Lebensraum für Insekten bieten. Hierfür müssen diese Strukturen natürlich eine fachgerechte gepflegt oder entwickelt werden. Das Bundesamt für Naturschutz und der Deutsche Städte- und Gemeindebund haben gemeinsam grundlegende Informationen gesammelt, um Praxisbeispiele aus ganz Deutschland erweitert und zu einer Broschüre zusammengestellt. Diese finden Sie auf der Homepage des Deutschen Städte- und Gemeindetags.

„Artenreiche Grünflächen“: eine Handreichung zur Anlage und Pflege artenreicher Grünflächen an Straßen, Wegen und Plätzen

Diese Broschüre bietet einen Überblick über wichtige Begriffe, Wissen, Artenlisten und Ansprechpartner rund um heimisches Saatgut und Steckbriefe zur Pflege verschiedener Arten von Grünflächen, wie Parkflächen, Friedhöfe, Straßenbankette. Sie können Sie von der Internetseite des Deutschen Verbands für Landschaftspflege herunterladen.

Der Kreis Nordfriesland unterstützt Aktivitäten zum Schutz der Insekten

Seit mehreren Jahren stellt der Kreis Nordfriesland Fördergelder für Vereine, Verbände und Kommunen bereit, die Maßnahmen zum Insektenschutz umsetzen.
Darunter waren unter anderem diese Projekte:

Unterstützung des landesweiten Projekts "Blütenbunt Insektenreich"

Seit 2020 fördert der Kreis Nordfriesland das Projekt „Blütenbunt-Insektenreich“. Das Projekt wird zusätzlich über das Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert und hat eine Laufzeit von 6 Jahren. Im Rahmen des Projektes unterstützt die Stiftung Natur-schutz Schleswig-Holstein Städte dabei, die eigenen Grünflächen aufzuwerten. Mitarbei-tende des Deutschen Verbands für Landschaftspflege beraten Flächeneigentümer im ländlichen Raum und legen gemeinsam mit ihnen blütenreiche Wiesen an. Die Flächen sollen eine Mindestgröße von 1.000 Quadratmetern aufweisen und über mindestens fünf Jahre bestehen bleiben. Ausgleichsflächen, landwirtschaftliche Flächen sowie Gär-ten können leider nicht berücksichtigt werden. Eingebettet sind diese Aktivitäten in um-fangreiche Bildungsangebote für weiterführende Schulen durch die Forschungswerkstatt der Universität Kiel. Über ein Meldeportal auf der Internetseite des Projektes können Funde von Insekten dokumentiert werden.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite des Projekts “Blütenbunt Insektenreich“.

Modellgemeinde „Insektenfreundliches Pellworm“

Mehrere Initiativen auf der Insel Pellworm setzen sich für die Insekten auf Nordfrieslands drittgrößter Insel ein. Ein Ziel war es zunächst, die gemeindeeigenen Grünflächen so zu pflegen, dass die Artenvielfalt davon profitiert. Modellhaft sollte so der Schritt zur „Insektenfreundlichen Gemeinde“ begangen werden. Ein Fachplanungsbüro erstellte in Begleitung des Deutschen Verbands für Landschaftspflege (DVL) eine Bestandsaufnahme, die Aufstellung eines Flächenkatasters, eine ökonomisch/ökologische Betrachtung und letztlich ein Handbuch für die Bauhofmitarbeitenden. Die Kosten für die notwendige Umstellung der Pflegegerätschaften des Bauhofes trug die Gemeinde Pellworm. Der Kreis Nordfriesland förderte das Konzept für die „Insektenfreundliche Modellgemeinde Pellworm“ mit etwa 21.000 Euro.
Das Konzept der Gemeinde Pellworm zum Lesen und herunterladen finden Sie hier.
Weitere Informationen zum Insektenschutz auf Pellworm finden Sie auf der Internetseite der Gemeinde.

Konzept zur insektenfreundlichen Grünflächenpflege in der Gemeinde Koldenbüttel

Die Gemeinde Koldenbüttel setzt sich seit Längerem dafür ein, die Artenvielfalt auf ihren Grünflächen zu erhöhen. Allerdings bedurfte es mittelfristig eines fachlich fundierten Konzepts.
Ein Fachbüro führte 2020 eine professionale Bestandsaufnahme der gemeindeeigenen Grünflächen durch. Daraus entstanden ein Flächenkataster und ein Maßnahmenkatalog inklusive einer ökonomisch-ökologischen Betrachtung. Außerdem entwickelten die Fachleute ein Handbuch für die zukünftige Anlage und Pflege artenreicher kommunaler Flächen für die Mitarbeitenden im Bauhof.
Der Kreis Nordfriesland förderte die Erstellung des Konzeptes mit 10.000 Euro.
Das Konzept der Gemeinde Koldenbüttel können Sie sich hier ansehen und als PDF-Datei herunterladen.

Insektenfreundliche Maßnahmen auf Nordfriesischen Friedhöfen

Friedhöfe sind mehr als ein Ort der Einkehr und der Trauer, denn sie können auch Raum für Artenvielfalt in Städten und Gemeinden bieten. Das Ev.-Luth. Nordfriesische Friedhofswerk betreut seit 2017 zahlreiche Friedhöfe im nordfriesischen Kreisgebiet. Seitdem setzt es sich dafür ein, die Artenvielfalt auf den Friedhöfen zu steigern. Blumensaatmischungen bereichern Rasenflächen und es wurden zusätzliche Bäume gepflanzt.
Seit 2021 schaffen nun über 15.000 Blumenzwiebeln, mehr als 1.300 Stauden und Sträucher sowie 49 Bäume auf 27 Friedhöfen in Nordfriesland noch mehr Lebens- und Nahrungsräume für Insekten. Der Kreis Nordfriesland unterstützte das Vorhaben mit über 12.500 Euro.
Weitere Informationen über seinen Einsatz für die Artenvielfalt auf seinen Friedhöfen stellt das Nordfriesische Friedhofswerk auf seiner Internetseite vor.

Ackerrandstreifen auf Amrum durch den Öömrang Ferian und die Schutzstation Wattenmeer

Auf der Insel Amrum initiierten der Öömrang Ferian und die Schutzstation Wattenmeer 2020 einjährige Ackerrandstreifen. Darauf wurde keine Blühmischung und kein zusätzliches Saatgut ausgebracht und die Fläche wurde auch weder gedüngt noch mit Pestiziden behandelt. Stattdessen konnten die Samen, die noch im Boden vorhanden waren, keimen und wachsen. Im Sommer wurden die Ackerrandstreifen botanisch kartiert; dabei stieß man auf mehrere gefährdete Arten.
Bei Norddorf erwuchs im Sommer 2020 zudem aus einem Haferfeld ein Blumenacker: Der Hafer wurde so geerntet, dass die vielen Wilden Stiefmütterchen, die dort ebenfalls wuchsen, unbeschadet blieben. Im Spätsommer nutzten Dutzende Exemplare des selten gewordenen Perlmuttfalters diese Blütenwiese. Der Kreis Nordfriesland förderte das Projekt mit etwa 20.000 Euro.

Insektenfreundliche Aufwertung von öffentlichen Flächen durch den BUND

2019, 2020 und 2021 pflanzte die Kreisgruppe des BUND Stauden, Gebüsche auf den Flächen von Schulen, Kindergärten und anderen öffentlichen Flächen und installierte einzelne Insektenhotels. So entstanden - teilweise unter Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern - Nahrungs- und Nistmöglichkeiten.
Um eine längerfristige und breite Wirkung der Maßnahmen in der Öffentlichkeit zu gewährleisten, führte der BUND die Maßnahmen stets auf kommunalen Flächen durch. Der Kreis Nordfriesland förderte die Arbeit des BUND in diesem Zeitraum mit je 5.000 Euro pro Jahr.
Eine Übersicht über die durchgeführten Maßnahmen präsentiert der BUND Nordfriesland auf seiner Internetseite.